Branche trotzt Krise

Maritimer Koordinator Uwe Beckmeyer (2.v.l.) am Stand der DVV Media Group in Halle A1 (Foto: Michael Zapf)
In Hamburg hat am Dienstag die Weltleitmesse SMM begonnen.
In den voll besetzten Hallen geht es bis zum 9. September auch um die Zukunft der Branche. Die tiefe Krise im Schiffbau, der Schifffahrt und der Finanzierung bestimmt die Veranstaltung. Düsterer als in diesem Jahr könnte das Umfeld kaum sein. Darum hoffen die rund 2200 Aussteller auf Aufträge und trotzen der Krise mit Innovatio nen.
„Rund drei Viertel der Welt-Schifffahrt sind in einer schwierigen Situation“, so Thomas Rehder aus dem Präsidium des Verbandes Deutscher Reeder (VDR). „Das betrifft nicht nur die Containerschifffahrt, sondern ebenso Gas- und Öltanker, Massengutfrachter und die Offshore-Förderindustrie.“ Die deutsche Handelsflotte ist mittlerweile von einst 3900 auf weniger als 3000 Schiffe geschrumpft. Der Seeverkehr bleibt insgesamt in einer schwierigen Lage. Vor allem die darbende Containerschifffahrt mit niedrigen Charter- und Frachtraten belastet die Reedereien. Die Pleite der südkoreanischen Reederei Hanjin, der siebtgrößten Linienreederei der Welt, ist ebenfalls ein unübersehbares Zeichen der Branchenkrise. So war sie denn auch Hauptgesprächsthema im Vorfeld der SMM.
Während in der Schifffahrt die Krise bereits ins achte Jahr geht, erhalten die Werften weltweit nicht einmal mehr halb so viele Aufträge wie im Vorjahr. Die Zahl der Neubauaufträge im ersten Halbjahr 2016 ist gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 65 Prozent eingebrochen: „Das Auftragsvolumen ist von 85 auf 29 Milliarden US-Dollar gesunken“, so Dr. Reinhard Lüken, Hauptgeschäftsführer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM). Und für die Banken ist die Schiffsfinanzierung nicht mehr attraktiv.
Messerundgang
Der erste SMM-Tag hatte mit dem traditionellen Banddurchschnitt begonnen. Anschließend erfolgte mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft der Rundgang zu ausgewählten Unternehmen wie Caterpillar, Scan Diesel, MAN, ABB, Rolls-Royce/MTU, TGE Marine Gas, Marine Service GmbH, Becker Marine Systems, DVV Media Group (THB, Schiff & Hafen), Siemens, Raytheon, Lürssen, Blohm + Voss, DNV GL, Lloyd Werft und Meyer Werft. Dabei vermeldeten die Papenburger die Unterzeichnung eines neuen Großauftrags in Milliardenhöhe zur Lieferung von drei LNG-betriebenen Kreuzfahrtschiffen.
Zwei Luxusliner für die amerikanische Carnival Cruise Line sollen bei Meyer Turku in den Jahren 2020 und 2022 abgeliefert werden. Die Order steht jedoch noch unter Finanzierungsvorbehalt. Der Bau des Schiffes für P&O Cruises ist in Papenburg mit Ablieferung im Jahr 2020 geplant. Die Maschinenräume für die drei Schiffe liefert jeweils die zur Meyer-Gruppe gehörende Neptun Werft aus Warnemünde.
Mit den neuen Aufträgen reicht das Auftragsbuch der Meyer Werft bis in das Jahr 2022 und damit so weit wie noch nie zuvor. Die Meyer Werften haben somit langfristig eine gute Perspektive für Wachstum und Beschäftigung und können sich im international stark umkämpften Schiffbaumarkt weiter behaupten. Die Schiffe werden ein Volumen von über 180.000 BRZ und eine Kapazität von jeweils 5200 Passagieren haben. Im Rahmen des Green-Cruising-Konzepts werden sie als eine der ersten Schiffe zu 100 Prozent mit LNG (Flüssigerdgas) betrieben und sind dadurch besonders umweltfreundlich. FBi

