Der Offshore-Markt bietet Chancen

Damen Shipyards in den Niederlanden betreibt den Serienbau von schnellen Einheiten der „SeaAxe“-Klasse , Foto: Behling
Der Markt für Spezialschiffe ist unvermittelt unter Druck geraten. Die Erschließung neuer Öl- und Gasfelder auf hoher See ist nicht mehr wettbewerbsfähig. Aber auch der Neubau von Errichterschiffen für die Windbranche stockt.
Mehr als 100 Spezialschiffe liegen allein rund um die Nordsee auf. Erst in dieser Woche wurden acht Offshore-Spezialschiffe der Reederei Maersk im dänischen Fredericia am Kleinen Belt aufgelegt. Drei weitere sollen bis Mitte März folgen. Diese Kapazitäten werden aus dem Markt genommen, da auch bis Sommer angesichts der niedrigen Ölpreise kein Bedarf an klassischen Offshore-Fahrzeugen mehr besteht.
Auf der anderen Seite steigt die Nachfrage nach universell einsetzbaren Fahrzeugen für die Wartung und Windparks. Entsprechende Studien haben den Weltmarkt der Versorger untersucht und die abschwächende Nachfrage in Teilbereichen analysiert. Demnach hat der hohe Ölpreis der vergangenen Jahre die Versorgerflotte für Öl- und Gasplattformen in nur sieben Jahren von 2000 auf 3200 Schiffe steigen lassen. Hier ist zukünftig einfach kein Bedarf mehr zu erwarten. Die Analysten sehen deshalb gerade für universell einsetzbare Schiffe beste Chancen. Schiffe, die nicht nur in der Ölförderung eingesetzt werden.
Beispiel ist der Markt für schnelle Versorger. Die niederländische Damen-Gruppe hat mit dem Serienbau der neuen „Sea Axe“-Typen begonnen. Die bis zu 50 Meter langen Schiffe sind mit neuartigem Rumpfdesign bis zu 28 Knoten schnell und sehr seetüchtig. Diese Fahrzeuge sollen zur Versorgung von Windparks und Ölförderplattformen gleichermaßen geeignet sein wie auch für die Versorgung von Luxusyachten oder für Ölwehr- und Feuerlöschaufgaben. Damen Shipyards lässt diese Einheiten inzwischen in Serie bauen. Im Januar wurden allein auf einen Schlag vier „SeaAxe“-Rümpfe aus Polen zur Fertigstellung nach Holland überführt.
Möglichst viele Optionen zum Einsatz der Schiffe sind auch für Anleger und Reeder ein Grund zur Investition in neue Tonnage. Die Firma Offcon GmbH aus Kappeln sieht eine modulare Umrüstbarkeit der Einheiten als Schlüssel. Ein Konzept, das im Marineschiffbau bereits etabliert ist, soll dazu führen, das lange Wartezeiten in den Häfen entfallen. Ziel ist ein Konzept für ein Schiff, für dessen Aufgaben derzeit noch oft zwei oder drei Schiffe erforderlich sind. Hier bieten sich technische Lösungen für maßgeschneiderte Fahrzeuge an, die 90 Prozent der Aufgaben in 90 Prozent der Wetterzeit absolvieren. Ein Schlüssel zum Erfolg soll das neue Konzept „Offcon SOV 65“ sein, das im Februar beim 14. Kieler Branchenfokus zum Thema Windindustrie durch Harald Hübner und Benjamin Schmoll von der Offcon GmbH vorgestellt wurde. Das Konzept sieht ein möglichst vielseitiges Schiff vor, das in der Größe der klassischen Spezialschiffe bei 40 bis 80 Metern Länge angesiedelt ist.
Der Bau dieser Einheiten ist überwiegend bei kleinen und mittelständischen Werften zu finden. Dazu gehören Unternehmen in Lübeck, Cuxhaven oder Emden. Ein Beispiel für diese gelungene Kooperation ist das „Offshore Taxi One“. Der Katamaran wurde von der Firma Baltec in Lübeck zusammen mit der Mützelfeldtwerft entwickelt und im Herbst vorigen Jahres in Cuxhaven unter der Baunummer 260 zu Wasser gelassen. Seit Dezember erfolgte in Lübeck bei Baltec die Ausrüstung mit der dynamischen Übersetzplattform „Rolling Jack“. Diese Plattform soll Seegangsbewegungen von bis zu 2,5 Metern und Höhenunterschiede von vier Metern ausgleichen und so ein sicheres Übersteigen ermöglichen. Die „Rolling Jack“ wurde von der Firma Baltec in Lübeck zusammen mit der Technischen Universität Hamburg kon struiert.
Kiel spielt bei der Entwicklung weiterer Lösungen für die Offshore-Industrie eine große Rolle. „Das Offshore- und Onshore-Thema hat an Bedeutung nicht verloren. In Kiel sind etwa 100 Firmen an der Schnittstelle zum produzierenden Gewerbe angesiedelt und nutzen die Nähe zu Wissenschaft und Kompetenz“, sagte Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer bei der Veranstaltung der Kieler Wirtschaftsförderung KiWi GmbH im Februar. Kiel hat sich neben Bremerhaven, Emden und Cuxhaven zu einem Technologiezentrum der Szene entwickelt.
„Im Schiffbau gibt es so viele Innovationen wie schon lange nicht mehr“, beschreibt Bernhard Messer von der Opus Marine GmbH den Trend. Das Unternehmen betreibt in Deutschland sieben Schiffe für den Transport von Menschen und die Sicherung von Windparks. „Schiffe werden immer komplexer, nähern sich oftmals der Serienreife und werden somit für den Investor vergleichbarer.“ Die Crew Transfer Vessels von Opus versteht Messer als Schnittstelle zwischen Hafen und Offshore-Windanlagen. Hier gebe es nach Einschätzung der Analysten einen Bedarf in der Zukunft.
Den Bedarf an neuen Schiffen sieht beispielsweise Erlend Sandvik von Wärt si lä Ship Design aus Norwegen an die Größe zukünftiger Windanlagen gekoppelt. Der Wartungsaufwand für die großen Anlagen ist allein schon durch die regelmäßigen Prüfungen erforderlich. Die Zukunft und Problematik des industriellen Designs im Bereich Windenergie verdeutlichte Sandvik mit der Frage: „Wo liegt das Limit bei Windturbinen? Kann der Durchmesser bis zu 206 Meter betragen?“. Diese Daten bestimmen auch die Konzepte für die Neubauten der Schiffe, die später zur Wartung und Erneuerung der Anlagen gebraucht werden. Hier sehen die Experten langfristig den größeren Bedarf beim Schiffbau. „Es zeichnen sich hier viele interessante Lösungen ab. Es kommt darauf an, für die richtige Anforderung in der zeit das richtige Schiff zu haben“, sagt Sandvik in Kiel. Der Bau von Windparks selbst steht angesichts der gegenwärtigen Finanzierungsprobleme mittelfristig unter keinem guten Stern. Die Finanzierung ist auch das größte Problem für die Realisierung von Neubauten in den kommenden Monaten.