Iberdrola legt Fundament

Maßarbeit in Great Yarmouth: „Sea Installer“ lädt Komponenten der ersten Windenergieanlage für „East Anglia One“, Foto: Iberdrola

Die Umspannplattform ist im September 2018 installiert worden, Foto: Anya Bartels-Suermondt
Noch während im niederländischen Vlissingen die letzten sechs der insgesamt 102 Jacket-Gründungsstrukturen für den Offshore-Windpark „East Anglia One“ mit rund 65 Meter Höhe das Bild des Hafens prägen, sind im britischen Hafen Great Yarmouth bereits die Vorbereitungen für die nächste Bauphase angelaufen. Dort lud das Spezialschiff „Sea Installer“ zu Wochenbeginn die Komponenten für die erste Windenergieanlage des Parks. Am Mittwoch sollte die Turbine dann im Baufeld rund 50 Kilometer östlich der Küste von Suffolk installiert werden, kündigte das spanische Energie-Unternehmen Iberdrola im Rahmen einer Presseveranstaltung in Vlissingen an.
Dabei wurde auch klar: Für Iberdrola ist „East Anglia One“ ein Vorhaben der Superlative. 2,5 Milliarden Euro fließen in den Offshore-Windpark – das sei die bislang größte Investition eines spanischen Unternehmens in ein Erneuerbare-Energien-Projekt. Hinzu kommt, dass „East Anglia One“ mit einer Kapazität von 714 Megawatt deutlich größer ausfällt als die bisherigen Offshore-Windparks von Iberdrola: „Wikinger“ in der deutschen Ostsee kommt mit 70 Windenergieanlagen auf 350 Megawatt und „West of Duddon Sands“ vor der britischen Westküste mit 108 Turbinen auf 389 Megawatt.
Auf den gesammelten Erfahrungen lasse sich aber aufbauen, sagte ein Iberdrola-Sprecher: „Das Gute an Offshore ist, dass man sehr schnell lernen kann.“ So liege „East Anglia One“ im Zeitplan und soll noch vor Ende des laufenden Jahres erstmals ins britische Stromnetz einspeisen. Nach vollständiger Inbetriebnahme könne er rund 630.000 Haushalte mit Energie versorgen.
Auf Basis der Erfolge mit „East Anglia One“ blickt Iberdrola ambitioniert in die nähere Zukunft. Dabei bekommen die Pläne des Unternehmens zusätzlichen Rückenwind durch die wirtschaftliche Entwicklung der Offshore-Windindustrie – schließlich wird der Kostenfaktor kleiner: Waren vor drei bis vier Jahren noch rund 4 Millionen Euro Investition pro Megawatt nötig, sind es heute 2,45 Millionen Euro pro Megawatt, erklärte der Unternehmenssprecher.
Nun entwickelt Iberdrola allein vor der britischen Ostküste drei weitere Windparks in noch größerem Maßstab: „East Anglia One North“ soll bis zu 800 Megawatt leisten, „East Anglia Two“ bis zu 900 und „East Anglia Three“ bis zu 1200. Zudem befindet sich ein 496-Megawatt-Windpark in der Bucht von Saint-Brieuc in Frankreich in der Planung. In der deutschen Ostsee folgen die Süderweiterung von „Wikinger“ mit 10 Megawatt sowie „Baltic Eagle“ mit 476 Megawatt.
Ein weiterer Meilenstein wartet derweil vor der US-amerikanischen Ostküste: Avangrid Renewables, ein Joint Venture von Iberdrola und Copenhagen Infrastructure Partners, baut 22 Kilometer vor Martha’s Vineyard, Massachusetts, den 800-Megawatt-Windpark „Vineyard Wind One“. Er soll 2022 ans Netz gehen – und helfen, Offshore-Wind auch in den USA voranzubringen. ger