Marineschiffe festigen Marktposition

Es ist das Tabu-Thema der Politik. Rüstungsexporte sorgen alljährlich Mitte Februar für heftige Reaktionen, wenn in Berlin der Rüstungsexportbericht präsentiert wird.

Im vergangenen Jahr genehmigte die Bundesregierung Exporte von Rüstungsgütern im Wert von 7,5 Milliarden Euro. Diese Zahl wirkt gewaltig. Zu den Schwergewichten des Rüstungsexports gehören inzwischen die Werften. Fast jeder zweite Euro in der Bilanz entfällt auf Produkte deutscher Werften. Von den 7,5 Milliarden Euro der Genehmigungen betrafen 2015 nur noch 33,9 Millionen Euro den Export von Maschinenpistolen oder Handfeuerwaffen. Die deutschen Werften sind dagegen mit einem Auftragsvolumen von rund zehn Milliarden Euro führend. Die U-Boote von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS), Versorger der German Naval Yards oder Patrouillenboote der Lürssen Gruppe schlagen im Rüstungexportbericht zusammen selbst die deutschen Anteile von Airbus. Allein die Werft ThyssenKrupp Marine Systems hat ein Auftragsvolumen von über sieben Milliarden Euro und eine Auslastung bis weit über das Jahr 2020 hinaus. Offiziell kommentieren die Werften Rüstungsexporte nicht. Diese Projekte unterliegen derselben Verschwiegenheitsklausel wie Megayachten.

So findet sich in allen offiziellen Mitteilungen von ThyssenKrupp Marine Systems bis heute kein Wort über den Bau der Fregatten der Klasse Meko A200 für Algerien. Mit über zwei Milliarden Euro ist es der größte Überwasserauftrag, den die deutschen Werften derzeit abarbeiten. Die zwei Fregatten wurden in Kiel von German Naval Yards im Unterauftrag für Thyssen Krupp Marine Systems gebaut. Ähnlich sieht es mit Ägypten aus. Das Land hat bei TKMS Systems vier U-Boote des Serientyps HDW 209 bestellt. Auftragsvolumen auch hier weit über eine Milliarde Euro. Ähnlich hoch ist das Auftragsvolumen beim Bau der drei U-Boote der Klasse „Dolphin AIP“ für Israel. Die beiden ersten Boote „Tanin“ und „Rahav“ wurden 2014 und 2015 ausgeliefert. Das dritte Boot „Dakar“ wird im Frühjahr zu Wasser kommen und soll 2017 ausgeliefert werden.

Die dritte Exportnation im U-Boot-Bau ist Singapur. Am Standort Kiel erfolgte im Juni 2015 der Brennstart für das erste von zwei U-Booten der Klasse HDW 216 für den südostasiatischen Stadtstaat. Die Deutsche Marine ist ebenfalls Kunde bei TKMS. Vier Fregatten der Klasse 125 werden mit Zulieferungen von Lürssen am Standort Blohm + Voss in Hamburg gebaut. In Kiel ist das U-Boot „U 36“ als sechster Neubau der Klasse HDW 212A in der Endausrüstung. Der Bau weiterer U-Boote für die Deutsche Marine ist nicht mehr geplant. Der Plan zum Bau von zwölf U-Booten wurde gestrichen.

Bei den neuen Aufträgen verdichten sich die Anzeichen für eine Kooperation mit Norwegen. Der Bau von bis zu vier U-Booten für das skandinavische Land könnte im Rahmen einer Arbeitsgemeinschaft deutsch-norwegischer Industriepartner in Kiel erfolgen. Die Werft TKMS investiert derzeit 40 Millionen Euro in die Ausweitung der U-Boot-Fertigung. Norwegen hat 1989 bis 1992 sechs U-Boote der „Ula“-Klasse von den Thyssen Nordseewerken in Dienst gestellt. Diese Boote sollen ab 2020 ausgesondert werden. Auf den Bau von Überwasser einheiten hat sich die Lürssen-Gruppe spezialisiert. Korvetten für Brunei waren die letzten Auslieferungen. Dazu kamen die Korvetten der Klasse „K130“ für die Deutsche Marine. Aktuell fertigt Lürssen am Standort Wolgast etwa 30 Patrouillenboote für Saudi-Arabien. Der Gesamtwert soll bei deutlich über einer Milliarde Euro liegen. Der Neubau ist aber nur ein Betätigungsfeld. Die Reparatur wird auch zunehmend wichtiger für die Sicherung von Know-how und Beschäftigung. Sechs Werften zwischen Wilhelmshaven und Stralsund sind in der Marineschiffsreparatur aktiv: die Lürssen-Gruppe mit den Standorten Wilhelmshaven, Hamburg und Wolgast, die Tamsen Werft in Rostock, die Werft Gebrüder Friedrich in Kiel, die Nobiskrug-Gruppe mit den Standorten Kiel und Rendsburg, die Elsflether Schiffswerft sowie die German Dry Docks in Bremerhaven.

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