Palfinger will TTS Group übernehmen

Die in Wien börsennotierte Palfinger AG mit Sitz in Bergheim/Salzburg will über ihre Tochtergesellschaft Palfinger Marine GmbH ein Übernahmeangebot für sämtliche Aktien der norwegischen TTS Group ASA mit Sitz in Bergen vorlegen.

Der österreichische Kranhersteller will sämtliche Aktien von TTS für einen Gesamtbetrag von rund 60 Millionen Euro an Cash übernehmen, sagte Sprecher Hannes Roither. An Kosten kämen noch die Schulden der norwegischen Firma hinzu. Ziel von Palfinger ist es, durch die Übernahme von TTS zu einem der drei größten Schiffsausrüster der Welt zu werden, teilte der Vorstandsvorsitzende Herbert Ortner mit.

Im Vorjahr bilanzierte Palfinger mit 1,23 Milliarden Euro Umsatz. Im ersten Quartal 2016 meldete die Firma ein Plus bei Umsatz und Gewinn. Die geplante Übernahme kann vorbehaltlich unter anderem der Ergebnisse der Due Diligence und behördlicher Genehmigungen im vierten Quartal 2016, spätestens aber im Januar 2017 abgeschlossen sein. Das Angebot wird auch von rund 67 Prozent der Aktionäre unterstützt. Darunter befindet sich auch die größte Aktionärsgruppe von TTS, die Familie Skeie, die rund 32 Prozent der Aktien besitzt. Das Angebot wird wirksam, wenn 90 Prozent der Aktionäre zustimmen. Das formale Angebotsdokument wird voraussichtlich in vier Wochen hinterlegt und veröffentlicht werden. Die Angebotsfrist wird in Folge vier Wochen dauern.

Die TTS Group ist ein weltweit tätiges Unternehmen mit dem Fokus auf Design, Entwicklung und Service von Schiffsausrüstung für Hochseeschifffahrt und Offshore-Anlagen der Öl- und Gasindustrie. TTS hatte 2012 nach dem Verkauf der insolventen Hamburger Sietas-Gruppe den letzten der drei zur Traditionswerft gehörenden Betriebe, die Neuenfelder Maschinenfabrik (NMF), übernommen.

Krise bei Sietas

Die Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde kämpfte seit 2009 ums Überleben. Vor sieben Jahren geriet sie in den Strudel der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise mit ihren Auswirkungen auf die Handelsschifffahrt. Die 1635 gegründete Werft hatte zu lange am Containerschiffbau und veralteten Produktionsverfahren festgehalten und schrieb rote Zahlen. Seinerzeit waren noch rund 950 Mitarbeiter auf der Werft tätig. Ein Manager aus der Flugzeugindustrie richtete das Unternehmen auf den Bau von Spezialschiffen wie Offshore-Versorgerschiffe aus. Weil es nicht genügend Aufträge gab, musste das Unternehmen 2011 Insolvenz anmelden.

Im Sanierungskurs wurde die Werftengruppe Mitte 2012 zerschlagen. Die Reparaturwerft ging damals an die Bremer Lürssen-Gruppe. Der Verkauf der Kernwerft an die niederländische Veka-Gruppe platzte Ende des Jahres 2012, weil Aufträge für weitere Errichterschiffe für Offshore-Windparks fehlten – Verzögerungen bei der Ener giewende wirkten sich negativ aus. 2013 hofften die verbliebenen knapp 400 Mitarbeiter auf einen Käufer, mehrere waren im Gespräch. Das Gros der Belegschaft musste in eine Transfergesellschaft wechseln. Danach kam der Restbetrieb unter russische Führung von Pella Shipyard aus Hamburgs Partnerstadt St. Petersburg. FBi

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