Werften: „Schlimmste Krise“

Überkapazitäten, Auftragsflaute und wachsende Verluste – die südkoreanischen Werften kämpfen ums Überleben.

„Die Schiffbauer benötigen eine umfangreichere Restrukturierung als in den 80er Jahren, in dieser Hinsicht kann man jetzt von der schlimmsten Krise sprechen“, sagte die Branchenexpertin Hong Sung In vom staatlichen Koreanischen Institut für Industrielle Wirtschaft und Handel (KIET). Aufgrund des weltweit schrumpfenden Marktes für Schiffe und Offshore-Anlagen laste der Druck der Restrukturierung, „um die Werftanlagen zu verkleinern und Arbeitsplätze abzubauen“.

Die Regierung stellt Milliarden bereit, um den weltweit größten Schiffbauern zu helfen. Hyundai Heavy Industries, Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering (DSME) und Samsung Heavy Industries legten eigene Rettungspläne vor, die etwa die Veräußerung von Vermögenswerten wie Aktien, aber auch Entlassungen und Lohnkürzungen vorsehen. Die Maßnahmen sollen insgesamt umgerechnet 6,5 Milliarden Euro einbringen. Das entspricht etwa der Summe, die bei den drei Schiffbaukonzernen allein im vergangenen Jahr aufgelaufen war. Rund zwei Drittel davon entfielen auf DSME, deren Zentrale jetzt von der Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts des Bilanzbetrugs durchsucht wurde (THB 9. Juni 2016). Dabei wurden Computer, Rechnungsbücher und andere Dokumente sichergestellt. DSME wird zudem vorgeworfen, Verluste in den Jahren 2013 und 2014 nicht in vollem Umfang ausgewiesen zu haben.

Regierung und Zentralbank kündigten unterdessen an, umgerechnet rund 9,2 Milliarden Euro bereitzustellen, um die Rettungsmaßnahmen der Schiffbau- und Schifffahrtsindustrie zu finanzieren. Dazu erhalten zwei wichtige Kreditgeber, die staatliche Korea Development Bank (KDB) und die Export-Import Bank of Korea (KEXIM), umfangreiche Kapitalhilfen. Zwar reiche das Auftragspolster der drei größten Schiffbauer noch für gut zwei Jahre, doch bis Ende April sei der Bestand im Jahresvergleich bereits um 16,2 Prozent auf 27,59 Millionen gewichtete Bruttotonnen (cgt) gesunken, berichtete KEXIM. Bei dieser Messgröße wird auch der Arbeitsaufwand für den Bau der Schiffe berücksichtigt. Die Auftragseingänge könnten in diesem Jahr um 85 Prozent auf 1,6 Millionen cgt zurückgehen. Das entspreche einem Wert von nur noch 3,5 Milliarden Dollar. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr belief sich der Wert der Neuaufträge auf 23,67 Milliarden Dollar.

Lichtblicke

Der Schiffbau entwickelte sich seit Anfang der 1970er Jahre als Schlüsselindustrie, die einen großen Anteil am Boom der südkoreanischen Wirtschaft hatte. Waren es am Anfang hauptsächlich Öltanker und Bulker, kamen später Containerschiffe, Bohranlagen, Gastanker und Fähren hinzu. Bei allen aktuellen Problemen sieht Hong Sung In aber auch Lichtblicke. Die Unternehmen hätten noch für rund zwei Jahre Aufträge und verfügten über eine hohe Wettbewerbsfähigkeit. „Ich denke, sie werden überle ben.“ fab/dpa

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