„Neuwerk“-Macher verstorben

Das Mehrzweckschiff „Neuwerk“ ist eines der Projekte, die Georg-Wilhelm Keil angeschoben hatte, Foto: Arndt

Georg-Wilhelm Keil, Foto: Eckardt
Trauer um Georg-Wilhelm Keil: Der langjährige Präsident der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord ist im Alter von 85 Jahren gestorben.
Der gebürtige Hesse hat die Struktur der Schifffahrtsverwaltung über Jahre geprägt und nach der Wiedervereinigung an der Zusammenführung der beiden Behörden mitgewirkt. Für diese Leistung wurde er 1993 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war für Keil stets der Wasserbau im Einklang mit der Natur. So forderte er bereits 1989 zur Vorbereitung von Wasserbauprojekten ein „Hineinlauschen in die Natur“. Aus den Niederlanden hatte er diese Erfahrung mitgebracht, dass man nur „mit der Natur bauen kann“ und nicht gegen sie, wie er gern ausführte.
Seinen beruflichen Werdegang hatte Keil schon in der Jugend geplant. So entschied er sich an der Technischen Hochschule Darmstadt bewusst für den Studiengang Wasserbau, Bodenmechanik und Grundbau – weil das für ihn ein Weg an die Küste sein sollte, wie er gern erzählte. Nach einer Station beim Wasser- und Schifffahrtsamt Duisburg ging er für ein Jahr an die Technische Hochschule Delft in den Niederlanden und dann kam er wie erhofft an die Küste – zum Wasser- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel und schließlich 1980 zur Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord (WSD) in Kiel. Erst als Abteilungsleiter Technik, ab Oktober 1985 dann erstmals Präsident der WSD Nord. 1990 übernahm Keil als erster Präsident die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost in Magdeburg. Da auch die DDR bereits eine sehr gute Struktur ihrer Schifffahrtsorganisation hatte, lag der Schwerpunkt in erster Linie bei der Anbindung an die westdeutschen Strukturen.
1993 kehrte Keil nach Kiel zurück. Dort sorgte er für die Einführung eines digitalen Verkehrssicherungsystems des Nord-Ostsee-Kanals und die Vertiefungen der Elbe. Nicht alle Entscheidungen fielen ihm leicht. So ließ er 1998 den legendären Eisbrecher „Hanse“ angesichts der immer seltener werdenden Eiswinter auf Nord- und Ostsee durch das Mehrzweckschiff „Neuwerk“ ersetzen. „Es hängt ein bisschen Nostalgie an einem so schönen Schiff“, sagte Keil im April 1998 bei der Verabschiedung der „Hanse“. Unter seiner Ägide begann die Entwicklung der modernen Mehrzweckschiffe. 1999 ging er in den Ruhestand.
Langjährige Weggefährten bescheinigten Keil, dass er mit viel Fingerspitzengefühl für die Mitarbeiter zu Werke ging. So baute er mit seinem Organisationstalent in drei Jahren den Grundstock für die Integration der ostdeutschen Schifffahrtsverwaltung in die bundesdeutsche Verwaltung auf und hatte die Mitarbeiter dabei auf seiner Seite.
„Georg-Wilhelm Keil hat in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes wichtige Akzente gesetzt und unsere Behörde entscheidend geprägt. Er war nicht nur Präsident der ehemaligen Wasser- und Schifffahrtsdirektion Nord in Kiel, sondern hat als Präsident nach der Wende auch die Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost in Berlin aufgebaut. Für seine Lebensleistung sind wir ihm sehr dankbar“, würdigte Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion, den am 7. Januar Verstorbenen. FB/tja
