„Gewerkschaft GDL hat jedes Maß verloren“

Vor allem für den Hamburger Hafen könnte sich der Bahnstreik gravierend auswirken, Foto: Arndt
Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) lehnt die von der Deutschen Bahn vorgeschlagene Schlichtung im laufenden Tarifkonflikt ab. Der Druck auf die GDL wächst zusehends.
Mit dem Aufruf an die Gewerkschaftsmitglieder, den Güter- und Personenverkehr in Deutschland bis einschließlich Sonntag zu bestreiken, hat GDL-Chef Klaus Weselsky den bisher längsten Bahnstreik in der Geschichte der Bundesrepublik ausgelöst. Volkswirtschaftler gehen mittlerweile von einem Schaden in Höhe von mindestens 750 Millionen Euro aus.
Die Kritik an der GDL-Führung wächst unterdessen. Selbst aus Gewerkschaftskreisen ist Unverständnis für die harte Haltung Weselskys zu vernehmen. Der Deutsche Beamtenbund (dbb), unter dessen Dach die GDL organisiert ist, forderte beide Seiten zu Gesprächen mit einem Schlichter auf. Schon der letzte Ausstand im April hätte der Bahn zeigen müssen, dass die Geduld der Lokführer zu Ende sei, heißt es in einer Mitteilung des dbb. In den künftigen Tarifverhandlungen müsse alles dar an gesetzt werden, endlich ohne Verzögerungstaktik und Unverbindlichkeiten zu einer umfassenden Verständigung zu kommen. „Hierzu kann es sinnvoll sein, auf einen unabhängigen Dritten zurückzugreifen.“
Mit Unverständnis und Fassungslosigkeit reagierte auch die norddeutsche Wirtschaft auf die Aktion der GDL. „Ein Streik in dieser Länge wird einen millionenschweren Schaden in der norddeutschen Wirtschaft hinterlassen. Hauptbetroffene sind der Hamburger Hafen, aber auch die Stahl- und die chemische Industrie sowie Teile der Ernährungswirtschaft“, sagte der Präsident des Unternehmensverbandes Nord, Uli Wachholz. Die GDL erweise der Tarif- und Sozialpartnerschaft in Deutschland einen Bärendienst. Das Agieren der Gewerkschaft zeige, dass sie zunehmend zum echten Standortrisiko werde, so der UV Nord weiter.
Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) verwies auf die Wasserwege als verlässliche Ausweichrouten für Güterverkehre. „Logistik funktioniert dann besonders gut, planbar und verlässlich, wenn die verladende Wirtschaft und die Industrie die Verkehrsträger mit ihren arteigenen Vorteilen miteinander vernetzen“, hieß es in einer Mitteilung des BDB. „Wir wollen der Bahn keine Kunden abwerben“, stellte BDB-Präsident Martin Staats klar. Es solle vielmehr das Bewusstsein geweckt werden, dass umfassende Logistikkonzepte immer noch viel zu selten erprobt würden.
Der Vorsitzende der FDP-Landtagsfraktion in Schleswig-Holstein, Christopher Vogt, sagte: „Das Streikrecht ist ein sehr hohes Gut, das wir nicht infrage stellen, aber beide Tarifparteien sollten auf die Verhältnismäßigkeit ihrer Maßnahmen achten. Die GDL wäre gut beraten, sich mit der Bahn endlich auf einen Schlichter zu einigen.“ Diese Forderung wurde auch von anderen Parteien bundesweit erhoben. Mehrere Sparten gewerk schaften kritisierten, die GDL unterlaufe Arbeitnehmerrechte. pk

