„Gorch Fock“ schwimmt wieder

Aufgeschwommen und ausgedockt: der Rumpf des Marine-Segelschulschiffes „Gorch Fock“, Foto: Eckardt
Die „Gorch Fock“ hat wieder Wasser unter dem Kiel – zum ersten Mal nach fast dreieinhalb Jahren. Am Freitag ist der Rumpf des Segelschulschiffes der Marine im Dock der Bremerhavener Bredo-Werft aufgeschwommen. Ein einsatzfähiger Segler war dabei aber noch lange nicht zu sehen: Masten und Aufbauten fehlen, ebenso wie eine gewisse Zukunft.
Die Marine muss entscheiden, wie es mit der „Gorch Fock“ weitergeht. Der einst geplante Kostenrahmen für die Sanierung des Schiffes von 10 Millionen Euro ist längst überschritten, mehr als 70 Millionen Euro sind bereits geflossen. Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) legte sich beim Ausdocken in Bremerhaven nicht fest, sagte aber: „Wir haben eine echte Chance, unser Ziel zu erreichen.“ Als Höchstrahmen sind 135 Millionen Euro festgelegt, für die der Steuerzahler aufkommen muss.
Ab Januar 2016 lag die „Gorch Fock“ bei der Bredo-Werft, die ein wichtiger Subunternehmer bei der Sanierung ist. In der langen Zeit sei sie ihm schon ans Herz gewachsen, sagte Bredo-Chef Dirk Harms. Nun sehe er sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen. Mit einem lachenden, weil er sich in letzter Minute mit dem Bund über das Ausdocken habe einigen können. Aber die geforderten 5,1 Millionen Euro für offene Rechnungen habe er nicht bekommen. „Das ist das weinende Auge.“
Tatsächlich stand das Ausdocken noch bis Donnerstagabend in Frage. Bredo wollte den Rumpf als Pfand nehmen. Der Bund bestand darauf, dass der Generalauftragnehmer, die Elsflether Werft, alles Geld bereits bekommen habe. Nur ist die insolvent. Nun ist vereinbart, dass der Streit ums Geld vor Gericht ausgetragen wird. Bredo soll dabei aber behandelt werden, als liege der Segler noch dort im Dock.
Unter der Hand geben Beteiligte zu, dass ein Scheitern des Ausdockens vermutlich das Ende der „Gorch Fock“ bedeutet hätte. Von der Leyen hätte den politischen Ärger in Berlin gehabt, an der Weser wären die Arbeitsplätze der Elsflether Werft wohl nicht zu retten gewesen, die Zulieferer hätten noch weniger Hoffnung gehabt, wenigstens einen Teil ihres Geldes wiederzusehen.
Die Elsflether Werft ist heilfroh, dass sie das Schiff nun wieder in ihrer Hand hat. Er rechne es der Bredo-Werft hoch an, dass sie das Ausdocken ermöglicht habe, sagte der Generalbevollmächtigte der Elsflether Werft, Tobias Brinkmann. Man rechne in der kommenden Woche mit einer Entscheidung der Bundeswehr, ob das Schiff fertiggestellt werde, sagte Axel Birk, Vorstand der Elsflether Werft. ger/dpa