Nord-Regierungschefs wollen 100 Millionen Euro für Meeresforschung

Die Nordländer wollen die Meeresforschung durch eine Allianz stärken und vom Bund mehr Mittel für die Forschungsinstitute. "Wir gehen in die Diskussion mit einer Forderung von 100 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr", sagte Schleswig-Holsteins Regierungschef Torsten Albig nach einem Treffen mit seinen Kollegen aus Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern in Kiel. Aktuell bekommen die zehn Einrichtungen mit etwa 4000 Beschäftigten zusammen pro Jahr rund 400 Millionen Euro vom Bund.

Der "Deutschen Allianz für Meeresforschung" wollen die Länder zudem selbst weiteres Geld aus den Haushalten bereitstellen. "Die norddeutschen Länder werden sich mit daran beteiligen müssen", sagte Albig. "Über die Höhe wird in den weiteren Gesprächen mit dem Bund zu entscheiden sein." Die Forschungseinrichtungen im Norden seien keine Konkurrenten, sondern würden als gleichberechtigte Partner zusammen arbeiten.

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz glaubt an einen Erfolg der Initiative. "Die Chance dafür ist riesig", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. "Denn das Thema gewinnt an Bedeutung." Für Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (beide SPD) ist klar: "Wir tun auch das für Deutschland, brauchen dafür aber auch die Unterstützung der Bundesregierung."

Der Direktor des Kieler Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Geomar, Peter Herzig, sprach vom Aufbau einer "European Ocean Agency (Esa) oder nassen Nasa". "Das geht natürlich nicht zum Nulltarif." Ein Drittel der Summe würde für gemeinschaftliche Groß-Expeditionen wie die Erkundung der Plastik-Teppiche im Pazifik verwendet. "Dafür brauchen wir mehrere Schiffe, die mehrere Monate daran arbeiten."

Technologieentwicklung

Weitere 30 Millionen Euro pro Jahr sind laut Herzig für weitere Forscher geplant. "Wir haben momentan nicht genügend Personal, um die Probleme, die wir lösen wollen, anzugehen." Das Forschungsnetzwerk müsse zudem selbst Technologien für die Tiefsee, die Arktis und die deutsche Küste entwickeln können. "Bei allem Respekt vor der Esa liegt uns der Lebensraum Meer deutlich näher", sagte Herzig.

Bei eitel Sonnenschein und fast spiegelglatter Ostsee waren Albig und seine Kollegen Scholz, Sieling, Erwin Sellering (Mecklenburg-Vorpommern) und Stephan Weil (Niedersachsen, beide SPD) rund zwei Stunden lang mit dem Forschungsschiff "Alkor" auf See. Nach den Beratungen genossen die Regierungschefs sichtbar das frühlingshafte Wetter. "Ministerpräsident von Schleswig-Holstein müsste man sein", sagte Weil dem Gastgeber zur Begrüßung.

Thema der Ministerpräsidenten war aber auch die Energiepolitik. Sie fordern deutschlandweit einheitliche Übertragungsnetzentgelte. "Es kann nicht so bleiben, dass die Menschen in den Bundesländern, die bei der Energiewende vorangehen, auch noch höhere Netzkosten tragen müssen", sagte Sellering. Weil betonte, "wir profitieren von der Energiewende, erzeugen große Mengen Windstrom Onshore wie Offshore und nutzen die daraus entstehenden Chancen für Wachstum und Arbeitsplätze".

Bremen übernahm den Vorsitz der Konferenz Norddeutschland, wie das Treffen offiziell heißt, von Schleswig-Holstein. In der Hansestadt ist im kommenden Jahr das nächste Treffen geplant. (dpa/pk)

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