URAG: Interner Streit schlägt hohe Wellen

Die Schlepperflotte der Unterweser Reederei – im Bild die „Jade“ – umfasst 19 Einheiten, Foto: Zech
Bei der Unterweser Reederei (URAG) ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Betriebsrat und Geschäftsführung gekommen.
Der Streit ist jetzt Gegenstand juristischer Verhandlungen, sagte Rechtsanwalt Meic Barth, der den Betriebsrat vertritt, dem THB. Drei von sieben Betriebsratsmitgliedern sähen sich seit Januar mit „Antragsverfahren auf Zustimmung zur fristlosen Kündigung“ konfrontiert.
Zum Hintergrund teilt der Betriebsrat mit, dass weitreichende betriebliche Umstrukturierungen vorgenommen worden seien, ohne dabei die Arbeitnehmervertretung mit ins Boot zu holen. Wechsel in der Geschäftsführung Mitte vergangenen Jahres hätten die Auseinandersetzungen verschärft. „Informations- und Beratungsrechte wurden einfach übergangen“, heißt es in einer Erklärung des Beirats, die dem THB vorliegt. Die Betriebsratstätigkeit werde „an allen Fronten gestört“.
Die URAG-Geschäftsführung teilte dem THB am Donnerstag auf Anfrage mit, dass sich die Gesellschaft „gezwungen sah, hinsichtlich drei Betriebsratsmitgliedern den Antrag auf Ersetzung der Zustimmung zur außerordentlichen Kündigung beim Arbeitsgericht Bremen zu beantragen“. Diese Maßnahme sei notwendig gewesen, „um Betriebsratsmitglieder nicht zu bevorzugen, da aufgrund der festgestellten Sachverhalte auch anderen Mitarbeitern gegenüber mit einer außerordentlichen Kündigung reagiert worden wäre“. Die Vorwürfe stünden in keinem Zusammenhang mit der Wahrnehmung der Rechte als Arbeitnehmervertretung.
Die Geschäftsführung versuche, durch Umstrukturierungen die Wettbewerbsfähigkeit und damit die Existenz der Unterweser Reederei zu sichern. Richtig sei, dass aus Unwissenheit Einstellungen und Versetzungen von Mitarbeitern ohne Zustimmung des Betriebsrates erfolgten. Die Geschäftsleitung habe die entsprechenden Antragsverfahren jedoch nachgeholt und inzwischen alle Formalien eingehalten. „Ob mitbestimmungspflichtige Betriebsänderungen bei einer konzerninternen Veräußerung und Rückcharter von Schleppern beziehungsweise Versetzung einiger administrativer Mitarbeiter nach Bremen vorliegen, ist streitig und wird zum Teil in Einigungsstellenverfahren geklärt werden“, so die Stellungnahme der Geschäftsfüh rung.
Hintergrund: Der Betriebsrat hatte ausgeführt, dass zwei Schlepper des Unternehmens an die Muttergesellschaft Linnhoff Schiffahrt GmbH & Co. KG verkauft wurden und der Verwaltungssitz nach Bremen zurückverlegt wurde. Bei den verkauften Schleppern handelt es sich nach THB-Informationen um „URAG Ems“ und „URAG Elbe“. Aus dem Unternehmensumfeld ist zu hören, dass URAG möglicherweise übernommen werden oder zumindest engere Kooperationen eingehen soll, um den Fortbestand des Geschäfts zu gewähr leisten. fab
