Asiens Werften verlieren mehr als zehn Milliarden Dollar
Asiens Werften sind 2014 zum Opfer des von ihnen maßgeblich forcierten Kapazitätsausbaus auf der einen und des aggressiven Preiswettbewerbs auf der anderen Seite geworden.
Auf diese Entwicklung hat am Mittwoch in Hamburg Harald Fassmer, Vorsitzer des Verbandes für Schiffbau und Meerestechnik (VSM), bei der Vorlage der Jahresbilanz 2014 hingewiesen. Daran schloss sich das traditionelle Festessen mit rund 200 Gästen aus der maritimen Verbundwirtschaft sowie Politik und Verwaltung an.
Der VSM-Vorsitzer, zugleich Geschäftsführer der Fassmer-Werft, führte beispielhaft asiatische Branchengrößen wie Mitsubishi, Hyundai Heavy Industries und zwei chinesische Großwerften an, die im vergangenen Jahr zusammengerechnet auf einen Verlust von mehr als zehn Milliarden US-Dollar kamen. Die von ihnen mit ausgelösten „Spekulationsblasen“ seien zerplatzt. Man dürfe nun gespannt sein, wie es mit diesen Werften weitergehe. Vor diesem Hintergrund hielt es Fassmer einmal mehr für geboten, dass Europa einen klaren Kurs sowohl in der Schiffbaupolitik als auch beim Dauerthema „fairer Wettbewerb“ fahre.
„Es sind dieselben Regierungen, die sich seit Jahrzehnten gegen verbindliche internationale Handelsregeln im Schiffbau sperren. Antidumping und Antisubventionsregeln, in anderen Branchen etablierte Grundlage für die Ordnung der Weltmärkte, greifen im Schiffbau bis heute nicht“, ergänzte VSM-Hauptgeschäftsführer Reinhard Lüken.
Die USA hätten daraus ihre eigenen Schlüsse gezogen. So hielten sie „hartnäckig“ an ihrem 100-prozentigen Protektionismus für den Schiffbau fest. Schiffe für den inneramerikanischen Verkehr müssten per Gesetz in den USA gebaut werden, erläuterte Lüken. Das sei zwar „sicher kein Modell für Deutschland, aber ein wichtiges Thema für die TTIP-Verhandlungen“. Von Deutschland allein könne weder eine Lösung dieser globalen Strukturprobleme noch ein Einlassen auf einen Subventionswettlauf erwartet werden.
Die deutschen Schiffbauer haben nach den harten Anpassungsjahren als Folge der Weltschifffahrtskrise trotz eines weiterhin harten Wettbewerbsumfelds in ruhigeres Fahrwasser gefunden und sich in verschiedenen Nischen sehr gut etabliert.
Fassmer berichtete, dass die deutsche Schiffbauindustrie 2014 einen deutlichen Aufschwung erlebt habe. Die Umsätze der heimischen Werften erhöhten sich um 28 Prozent auf 6,4 Milliarden Euro. Es gingen neue zivile Aufträge für 16 Schiffe im Wert von 4,3 Milliarden Euro ein. Das sind 65 Prozent mehr als der sehr niedrige Vorjahreswert. Damit erhöhte sich der Auftragsbestand Ende 2014 auf 40 Schiffe mit einem Wert von 10,8 Milliarden Euro. Das ist der höchste Stand seit 2008. „Die Konzentration auf Kernmärkte zahlt sich aus“, zeigte sich Fassmer überzeugt. Kreuzfahrtschiffe und Megayachten machen 88 Prozent des Auftragsbestandes aus. Auch für das laufende Jahr sei die Mehrzahl der auf den Bau von Seeschiffen spezialisierten deutschen Werften zuversichtlich gestimmt.
Zu den großen Themen der kommenden Monate zählt der VSM vor allem den Umweltschutz. LNG als sauberer Antrieb komme weiter voran. Es sei daher wichtig, dass in den deutschen, aber auch europäischen Häfen der Aufbau einer leistungsstarken LNG-Versorgungsinfrastruktur vorankomme. Neben LNG gebe es aber auch verschiedene andere Entwicklungen mit dem Ziel, die von der Schifffahrt ausgehende Luftschadstoffbelastung zu verringern.
Zu den Segmenten, in denen die deutschen Werften auf Jahre hinaus keine großen Chancen mehr hätten, gehöre aber der Container schiffbau. EHA
