Deutscher Schiffbau behauptet sich

Der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM) hat am Dienstag seinen neuen Jahresbericht vorgestellt. Mit Blick auf 2018 könne die deutsche Schiffbauindustrie von einem guten Jahr sprechen, sagte VSM-Präsident Harald Fassmer. Dazu habe vor allem eine hohe Nachfrage nach Passagierschiffen beigetragen.

So habe sich der Auftragsbestand im Seeschiffbau in den vergangen acht Jahren nahezu verdreifacht. Die Werften haben entsprechend ihre Belegschaften aufgestockt: Für 2018 verzeichnet das Statistische Bundesamt einen Zuwachs von acht Prozent an festangestellten Mitarbeitern.

Im vergangenen Jahr standen Aufträge im Wert von 20,1 Milliarden Euro in den Orderbüchern deutscher Werften, ein Plus von 2,5 Milliarden Euro gegenüber 2017. Im Auftragsbestand fanden sich 58 zivile Seeschiffe, fünf mehr als im Vorjahr. Fast halbiert hat sich dagegen die Anzahl der Ablieferungen, nämlich von 22 auf 12 Einheiten. Im Jahr 2008 waren noch 84 Seeschiffe abgeliefert worden.

Der deutschen Schiffbauindustrie gelänge es grundsätzlich gut, sich von den Entwicklungen im Weltschiffbaumarkt abzukoppeln, und zwar durch eine Konzentration auf High-End-Nischenmärkte wie den Spezialschiffbau. In den asiatisch dominierten Volumenmärkten erhole sich die Nachfrage nur langsam und sei auch das fünfte Jahr in Folge unterhalb des Produktionsvolumens geblieben. Dies veranlasse viele Regierungen, in den Markt einzugreifen und die heimische Industrie durch Subventionen und Protektionismus zu schützen.

So wollten asiatische Wettbewerber „mittlerweile mit aller Macht“ in den Hightech-Schiffbau vordringen. „Es ist gut, dass jetzt endlich nicht nur über die Chancen in China geredet wird, sondern auch von dem Systemrivalen“, sagte VSM-Hauptgeschäftsführer Dr. Reinhard Lüken. „Neue Fährschiffe für die Ostsee werden zur Zeit nur noch in China bestellt, weil dort dank großzügiger Unterstützung der Regierung mal wieder Fantasiepreise angeboten werden“, so Lüken. „Seit Jahrzehnten erleben wir solche Marktverzerrungen ohne Gegenmittel. Das muss sich ändern.“

Große Erwartungen richtet der VSM diesbezüglich an die 11. Nationale Maritime Konferenz (NMK), die nächste Woche in Friedrichshafen stattfindet. „Deutschland will eine starke maritime Industrie und ist bereit, sich dafür gemeinsam mit den europäischen Partnern ins Zeug zu legen“, so VSM-Präsident Fassmer. Die Bemühungen zur Herstellung eines fairen Welthandels im Schiffbau müssten intensiviert werden. bek

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