Fähre mit Biodiesel und Solarmodulen

Die jetzt vom Stapel gelaufene Doppelendfähre „Texelstroom“ reduziert die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen, Grafik: TESO

Derzeitiges Flaggschiff von TESO: „Dokter Wagemaker“, Foto: Eckardt
Der Fährschiffneubau „Te xel stroom“ ist bei der spanischen Werft Construcciones Navales del Norte (LaNaval) in Bilbao vom Stapel gelaufen.
Die 135 Meter lange und 28 Meter breite Doppelendfähre für das niederländische Unternehmen TESO (Texels Eigen Stoomboot Onderneming) soll ab Mitte 2016 die Nordseeinsel Texel mit dem Fährhafen in Den Helder verbinden. Der Doppeldecker-Neubau mit einer Tragfähigkeit von 1684 Tonnen verfügt an beiden Seiten über identische Maschinenraum- und Brückenanlagen. Er kann auf den beiden Ladedecks bis zu 350 Fahrzeuge und in den öffentlichen Bereichen bis zu 1750 Personen befördern. Das Antriebskonzept der „Texelstroom“ basiert dabei auf einem Hybridsystem mit Dual-Fuel-Motoren für Marinedieselöl und Gas als Brennstoff. Damit erreicht der Neubau eine Geschwindigkeit von 15,4 Knoten.
Die neue „Texelstroom“ steht nach Reedereiangaben für eine neue Schiffsgeneration. So wird das Fährschiff entweder mit schwefelarmem Biodiesel oder Erdgas betrieben und zur Reduzierung seiner Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen darüber hinaus mit Solarmodulen auf einer Fläche von rund 700 Quadratmetern ausgerüstet. Das Energiemanagement sys tem der „Texelstroom“ verwendet dafür insgesamt 252 48V-Lithium-Ionen-Module der Baureihe AT6500 von Corvus Energy. Dabei wird die Speicherkapazität von 1,6 Megawattstunden zur Effizienzsteigerung der Fähre und zur Ersatzversorgung eingesetzt. Diese hohe Batterie reserve bedeutet, dass sich die Fähre im Notfall allein mit Batteriestrom betreiben lässt. Dieses Energiespeichersystem (ESS) ermöglicht auch den Einsatz kleinerer Generatoren. Das durch Lloyds’s Register zugelassene System von Corvus Ener gy ist das erste typgeprüfte ESS für Schiffe, das heute auf dem Markt ist.
Seit ihrer Gründung 1907 unterhält TESO den Fährdienst zwischen Den Helder und der Nordseeinsel Texel. Insgesamt 14 eigene Schiffe waren seitdem zwischen der Insel und dem Festland im Einsatz. Die Passage dauert etwa 20 Minuten, und jährlich werden rund 3,5 Millionen Menschen und 1,5 Millionen Autos befördert. Aufgrund der steigenden Nachfrage wurden die Schiffe im Laufe der Jahrzehnte immer größer. Das heutige Flaggschiff, die 2006 von Damen Ship yards gebaute 130 Meter lange Fähre „Dokter Wagemaker“, benannt nach dem Texeler Hausarzt und zugleich Gründer von TESO, hat eine Kapazität von 300 Pkw pro Überfahrt. Das derzeitige Reserveschiff „Schulpengat“ soll dann im kommenden Jahr von der neuen „Texelstroom“ abgelöst werden.
Zur Gründung von TESO wurde das Kapital für die Reederei von der Texeler Bevölkerung selbst zusammengetragen. Mit einem Grundkapital in Höhe von 75.000 Gulden machte TESO dem damaligen Fährbetreiber, der Reederei Bosman, Konkurrenz. CE/fab
