„Feierabend“ für Elsfleths Werft

Emotionaler Tiefschlag für den Schifffahrtsstandort Elsfleth. Die 1916 gegründete Elsflether Werft soll noch im Laufe dieses Jahres ihre Pforten schließen. Das Unternehmen, das im Zuge einer kosten- und zeittechnisch völlig aus dem Ruder gelaufenen Sanierung des Segelschulschiffes „Gorch Fock“ der Deutschen Marine zunächst bundesweit für Dauer-Negativ-Schlagzeilen sorgte und Anfang 2019 Insolvenz anmelden musste, gehört seit Herbst 2019 zur Bremer Lürssen-Werft-Gruppe.

Deren Fachleute, ergänzt um externe Expertise, hatten das Schiffbauunternehmen in den zurückliegenden Monaten intensiv unter die Lupe genommen. Das Ergebnis des aufwändigen Prüfverfahrens präsentierten sie direkt vor dem Osterfest im Rahmen einer Erklärung. Darin heißt es unter anderem: „Nach intensiver Bewertung aller analysierten Aspekte ist eine Aufrechterhaltung des Betriebs am Standort Elsfleth wirtschaftlich nicht tragfähig. Der Betrieb wird im laufenden Jahr eingestellt. Allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wird ein Übernahmeangebot unterbreitet und in den kommenden Monaten in persönlichen Gesprächen konkretisiert.“ Es soll um rund 130 Beschäftigte gehen.

Die Bremer Werften-Gruppe führte bei den Gründen weiter aus, dass „die enorme Verschlickung des an der Hunte gelegenen Werfthafens, Altlasten auf dem Werftgelände sowie ein massiver Sanierungsstau“ den entscheidenden Impuls zur Standortschließung gegeben haben.

Ohne eine regelmäßige Ausbaggerung des Schlicks mit dem Ziel, eine Mindestwassertiefe von dauerhaft vier Metern vorzuhalten – für Lürssen muss diese Maßnahme alle zwei bis drei Jahre erfolgen –, könnten aber Boote/Schiffe nicht über den Slip bewegt werden. Auch das ist für die Werften-Gruppe klar, die 2019 rund 3,6 Millionen Euro für die Elsflether Werft auf den Tisch legte: „Die Beseitigungskosten des Schlicks sind durch den Betrieb wirtschaftlich nicht leistbar.“

Doch es gibt noch weitere Negativpunkte: Ganz oben steht dabei die Kontamination des Werftgeländes mit grundwassergefährdenden Altlasten. Dazu herangezogene Umweltexperten stellten fest: Die Beseitigungskosten seien „nicht kalkulierbar“.

Erschwerend komme noch hinzu, dass „massive Investitionen in die Werft infrastruktur notwendig sind, die durch den Standort nicht erwirtschaftet werden können“.

In der Stadt an der Unterweser löste die Nachricht vom Werft-Aus eine Schockwelle aus. So erklärte die parteilose Bürgermeisterin Brigitte Fuchs gegenüber Radio Bremen, dass sie die Unternehmensentscheidung „traurig und sprachlos“ mache. Die angeführten Gründe für das Aus lasse sie nicht gelten. EHA

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