FSG-Sanierung mit eigenen Mitteln

Bewegte Tage bei der Flensburger-Schiffbau-Gesellschaft (FSG). Zum einen lief jetzt die siebte Ro-Ro-Fähre für Siems vom Stapel. Zum anderen steht nun fest, dass es für die Werft vorerst weiterhin keine Landesbürgschaften geben wird. Die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Gesellschaft soll mit Finanzmitteln der Eigentümer saniert werden. Das gab Investor und Mitgesellschafter Lars Windhorst beim Stapellauf in Flensburg bekannt.

Durch die verspätete Ablieferung der Fähre „W.B. Yeats“ hatte die Werft das Geschäftsjahr 2018 mit einem zweistelligen Millionenverlust abgeschlossen. In der Folge war es im Januar und Februar zu Problemen bei der Zahlung an Unterauftragnehmer gekommen. Um die finanziellen Lücken zu überbrücken und die Finanzierung der nächsten Neubauten zu gewährleisten, hatte die Werft versucht, Bürgschaften vom Land Schleswig-Holstein zu bekommen. Doch Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP) knüpfte eine Gewährung von Bürgschaften an strenge Auflagen und Bedingungen.

Jetzt teilte das Wirtschaftsministerium mit, das Land sei weiterhin in engem Austausch mit der Werft und „hofft für die Beschäftigten und den Standort, dass die FSG wieder zu Kräften kommt“. Derzeit gebe es keine Landesbürgschaft, weil die Voraussetzungen dafür – darunter ein Gutachten – nicht gegeben seien. Finanzinvestor Windhorst hatte kurz zuvor gesagt: „Wir gehen davon aus, dass es zu viel Ressourcen binden wird, die Bedingungen zu erfüllen.“ Im Zweifel werde dann zwangsläufig intern finanziert.

Windhorst hatte im Februar mit der Holding Sapinda mit 76 Prozent die Mehrheit an der Werft von Siem übernommen (thb.info 12. Februar 2019). Siem will aber eigenen Angaben zufolge aktiver Anteilseigner bleiben. Kristian Siem, Chef des gleichnamigen Konzerns und langjähriger Freund und Geschäftspartner Windhorsts, wohnte dem aktuellen Stapellauf ebenfalls bei. Die Frachtfähre mit der Baunummer 780 war zuvor auf den plattdeutschen Namen „Leevsten“ getauft und vom Stapel gelassen worden. Für die Werft war es der erste Stapellauf seit der Übernahme durch die Sapinda-Gruppe.

Derzeit stehen bei FSG zwei Frachtfähren und vier Passagierfähren in den Auftragsbüchern. Neben der „Leevsten“ befindet sich noch die LNG-Fähre „Honfleur“ für die Reederei Brittany Ferries in der Endausrüstung. Die 42.400 BRZ vermessene „Honfleur“ sollte ursprünglich ab Juni zwischen Portsmouth und Caen im Ärmelkanal zum Einsatz kommen. Ein Ablieferungstermin steht gegenwärtig aber noch nicht fest. Der Bau der „Leevsten“ verläuft jedoch im Zeitplan. Das Schiff steht für September zur Auslieferung an. Sie ist die siebte Einheit, die FSG seit 2016 für Siem baut. Eine weitere Ro-Ro-Fähre für Siem soll kommendes Jahr geliefert werden.

Die „Leevsten“ soll für eine italienische Reederei in Fahrt kommen. Zusammen mit den 2018 gebauten Schwesterschiffen „Alf Pollack“ und „Maria Grazia Onorato“ gehört sie nach Werftangaben dann zu den modernsten Ro-Ro-Fähren im Mittelmeerraum. Diese Frachtfähren können bis zu 310 Sattelanhänger aufnehmen und haben eine Kapazität von 4076 Lademetern. fab/fb/lno

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