Hersteller ringen um Lösungen für Antrieb

Die Suche nach alternativen Schiffsantrieben geht in eine entscheidende Phase.

Einerseits wollen die Akteure über den Preis des Kraftstoffs die Betriebskosten senken, andererseits sind Umweltschutzbestimmungen zu erfüllen. Entsprechend setzte die Schiffbautechnische Gesellschaft jetzt auf ihrer 110. Hauptversammlung in Bremen ihre Schwerpunkte. Von insgesamt 23 Vorträgen der Versammlung befassten sich neun mit Maschinenkonzepten, Elektrotechnikkonzepten und Trends in der Schiffstechnik. Dabei standen elektrische Antriebe und Erdgas im Vordergrund.

Columbus Shipmanagement präsentierte eine Studie zur Motorisierung von großen Containerschiffen. Da das Unternehmen Abgasnachbehandlungsanlagen als bislang technisch nicht ausgereift betrachtet, stand die Frage im Raum, ob große Containerschiffe künftig Erdgas als Kraftstoff verwenden können und welche technischen Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen. Obwohl eine Amortisation der höheren Investition im Vergleich zu einer konventionellen Antriebsanlage bereits nach sechs Betriebsjahren errechnet wurde, blieb das Ergebnis der Studie für Beobachter unbefriedigend, weil zurzeit wirtschaftlich nicht umsetzbar. Ausdrücklich wurde darauf verwiesen, dass keine Hochgeschwindigkeitsschiffe betrachtet wurden, sondern eine Dienstgeschwindigkeit in Höhe von 15 Knoten zugrunde gelegt worden war.

Die Präsentation von Rolls-Royce Power Systems verdeutlichte, dass eine Übertragung der Erfahrungen mit Komponenten und Anlagen aus dem Betrieb an Land auf das Wasser nicht oder nur mit großem Aufwand möglich ist. Das Unternehmen hat gute Erfahrungen mit Gas-Ottomotoren als Antrieb von stationären Stromerzeugungsanlagen gemacht, die jedoch für die gegenwärtige Entwicklung von Ottomotoren für den mechanischen Schiffsantrieb keine Bedeutung haben, da die Aggregate mit konstanter Drehzahl laufen und lastpunktoptimiert sind. Schwerpunkt der Entwicklung sind 16-Zylinder-Motoren auf Basis der Dieselmotorenbaureihe 4000, wie sie als erste Anwendung auf einem Schlepperneubau der niederländischen Werft Damen 2017 zum Einsatz kommen sollen.

Für die Verwendung von Erdgas als Schiffskraftstoff scheint technisch alles Notwendige verfügbar. Doch es hapert offenbar an den Zulassungsvorschriften. Im Zusammenhang mit der Präsentation des neuen Seebäderschiffs „Helgoland“ der Reederei Cassen Eils kam zum Ausdruck, dass Werft, Reeder und Klassifikationsgesellschaft zahlreiche Kompromisse eingehen mussten. Auch der Umbau der Fähre „Ostfriesland“ der Muttergesellschaft AG EMS führte zu hohen Kosten. Fähren in Norwegen beweisen, dass der Betrieb mit Erdgas problemlos funktioniert. hjr/fab

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