Millionenauftrag für Hamburger Werft

Charakteristisch für das Carrousel RAVE Tug (CRT) ist die auf einem Ring um das Deckshaus angeordnete Schleppwinde
Die Hamburger Traditionswerft Theodor Buschmann hat jetzt einen Vertrag für die Teilfertigung von zwei Carrousel-Schlepper-Prototypen im Robert-Allan-Design unterzeichnet.
Insgesamt sind zwei Rümpfe von der zur Damen Gruppe gehörenden Maaskant Shipyards in den Niederlanden bei dem Betrieb am Reiherstiegdeich bestellt worden. Die Fertigung beginnt in den kommenden Wochen, die Ablieferung der Rümpfe ist für das zweite Quartal 2017 geplant. Der Auftragsumfang in Millionenhöhe sieht vor, dass die 32 Meter langen und 13 Meter breiten Schlepper-Rümpfe in der Hansestadt entstehen und der finale Innenausbau von Maaskant Shipyards in den Niederlanden ausgeführt wird.
Die Verhandlungen dafür starteten bereits im Winter 2014. „Das war ein hartes Stück Arbeit, da der Fertigungsumfang über den Bau der Kaskos/Rümpfe hinausgeht und die Schnittstellen mehrfach neu definiert wurden, sagte Werftdirektor Stephan Aumann dem THB. Der vereinbarte Fertigungsumfang liege um einiges über der üblichen Leistung beim Bau und Zuliefern von Schiffsrümpfen, so der Dipl.-Schiffbau-Ing. und Dipl.-Wirtschafts-Ing. Die 1882 gegründete Theodor Buschmann Werft übernimmt neben dem Stahlbau in Übereinstimmung mit den Klassifikationsvorschriften von Bureau Veritas auch den teilweisen Ausbau der Schlepper.
Die Arbeit umfasst neben dem Bau der Rümpfe auch die Installation der Voith-Schneider-Propulsionssyste me, Hauptantriebe, Generatoren, Abgasanlage, Pumpen, Fenderung, Teilbereiche des Rohrbaus, Feuerlöschsysteme, Fenster, Türen sowie das Carrousel-System für die Schleppwinde sowie die komplette Beschichtung (innen/außen) und Tanks.
Innenausbau in den Niederlanden
„Das bedeutet für unseren Kunden, dass nach Verlassen der Theodor Buschmann Werft an den Rümpfen keine weiteren Heißarbeiten durchgeführt werden müssen. Lediglich der Innenausbau sowie die Kommissionierung der Antriebs- und Propulsionssystems erfolgen in den Niederlanden“, erläutert Aumann.
Der vereinbarte Fertigungsauftrag der Werft nimmt am Ende mindestens 50 bis 60 Prozent des Volumens des gesamten Neubauprojekts ein. Beide Rümpfe werden parallel auf dem Buschmann-Gelände gebaut. Die Rümpfe sichern der seit 1958 zur Fairplay-Gruppe gehörenden Werft mit rund 30 Beschäftigten eine gute Grundauslastung im Neubaubereich bis Mitte 2017.
Die Prototypen zeichnen sich durch das von dem niederländischen Patentinhaber Novatug entwickelte Carrousel-System für die Schleppwinde aus, das direkt an Buschmann geliefert wird und dann teilweise in die Hauptdeck-Stahlstruktur eingearbeitet werden muss.
Einfaches Handling
Dabei kann die Schleppwinde um 360 Grad um das Deckshaus rotieren. Das verspricht ein einfacheres Handling sowie eine höhere operative Flexibilität sowie ein geringeres Kenterrisiko. Die installierten Voith-Schneider-Systeme sollen operative Interferenzen üblicher Schlepperantriebe vermeiden, so dass ein einwandfreies Handling auch in kritischen Situationen gewährleistet ist.
Der Zuschnitt der Baupakete erfolgt im Auftrag von Buschmann in den Niederlanden. „Für unsere Werft ist es mittlerweile logistisch wie auch finanziell wesentlich vorteilhafter, für die Fertigung vorbereitete Brennpakete über zertifizierte Zulieferer aus den Niederlanden zu beziehen. Dafür werden lediglich die Fertigungsunterlagen benötigt“, erklärt Aumann.
Um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden, wurde seit Jahresanfang erheblich in die Infrastruktur der Theodor Buschmann Werft investiert. So sind fünf Zulagen für die Sektionsfertigung auf dem Gelände eingerichtet sowie der Neubauslip (17×60 Meter) komplett überholt worden. Der alte Slipwagen wurde gegen eine neue Kon struk ti on ausgetauscht. Nun ist die Werft in der Lage, Schiffe bis 60 Meter Länge und einem Gewicht von 600 Tonnen auf dem Neubauslip aufzunehmen. „Kommen Folgeaufträge, werden wir den Neubauslip Ende 2017 mit einem Schiebehallensystem komplett überdachen“, kündigt der Werftchef an.
Offen für Kooperation
Dies sei ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, so Aumann. „Wir werden die Erfahrungen nutzen, um – neben unserem Hauptgeschäft, der Schiffsreparatur in der Werft beziehungsweise als Hafen- und Reisereparatur – auch den Bau von Spezialschiffen wie zum Beispiel Arbeitsschiffen, Schleppern, Fähren, Offshore-Supply- und Behördenschiffen weiter zu forcieren. Gerne in einer Art Kooperation beziehungsweise klaren Trennung wie jetzt mit Damen, in der die Theodor Buschmann Werft alle Arbeiten ausführt, die nicht den Innenausbau betreffen. So konzentrieren wir uns auf unsere Kernkompetenzen, und der Kunde profitiert davon“, sagt der Manager.
Die Werft Theodor Buschmann hat in der Firmengeschichte 287 Neubauten erfolgreich abgeliefert. Unter anderem die Schlepper „Fairplay V“ und „Fairplay VIII“. Nun folgen die beiden Schiffsrümpfe als Neubauten S288 und S289 für den Endkunden Multraship Towage and Salvage. „Ganz wichtig ist die Signalwirkung der beiden Neubauten und der hoffentlich damit verbundene Weckruf für die lokale Wirtschaft und Politik, dass auch in Hamburg Spezialschiffe wie zum Beispiel Arbeits- und Behördenschiffe gebaut werden können“, betont Aumann und ergänzt: „Hier wollen und müssen wir aufgrund der seit Jahren rückläufigen Marktentwicklungen in der Schiffsreparatur anknüpfen. Dank unserer relativ kleinen und dadurch kostengünstigen Organisation, gut ausgearbeiteter Werkverträge für die Fertigung sowie verbesserter Einkaufsstrukturen brauchen wir uns in Bezug auf die Kalkulation und somit Angebotspreise nicht mehr vor der in- und ausländischen Konkurrenz zu verste cken.“ FBi
