Werften-Übernahme im Gespräch
Der Eigentümer der Bremerhavener Lloyd Werft, die asiatische Genting Group, erwägt möglicherweise, Anteile des Schiffbauunternehmens Nordic Yards in Mecklenburg-Vorpommern zu übernehmen.
Genting gründete mehrere neue Firmen mit Sitz in Bremerhaven, wie aus dem Handelsregister des Amtsgerichts Bremen hervorgeht. Die Namen lauten unter anderem „Star Cruises Warnemünde Operations GmbH“, „Star Cruises Wismar Operations GmbH“ und „Star Cruises Stralsund Operations GmbH“. Zudem wurden gesonderte Besitzgesellschaften eingetragen. Geschäftsführer der Gesellschaften ist der Aufsichtsratschef der Lloyd Werft, Joachim Hagemann, so die „Nordsee-Zeitung“. Der Grund für die Firmengründungen blieb offen. Die Werft soll für Genting-Reedereien vier Luxuskreuzfahrtschiffe und vier Flusskreuzfahrtschiffe planen und bauen. Die Rümpfe sollen auf einer anderen Werft gebaut werden, die Ausstattung soll in Bremerhaven erfolgen. Welche Werft den Auftrag für die Schiffsrümpfe erhält, ist bislang unbekannt. Gehandelt werden Nordic Yards, die polnische Crist-Werft sowie eine Werft in Südkorea.
Mit den neuen Firmengründungen könnte die Entscheidung für Nordic Yards getroffen worden sein. Nordic Yards betreibt drei Werften in Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund. „Es sieht danach aus, dass wir bald enger mit der Werft zusammenarbeiten werden“, sagt der Betriebsratsvorsitzende der Lloyd Werft, Daniel Müller. Über konkrete Pläne sei er allerdings nicht informiert.
Die Firmengründungen deuteten auch darauf hin, dass Genting zumindest Teile der angeschlagenen Nordic-Werften übernehmen wolle, so Müller. Nun stehe zu befürchten, dass die Kreuzfahrtschiffe möglicherweise ganz auf den in russischer Hand befindlichen Nordic-Werften gebaut werden. Die Standorte an der Ostsee seien viel moderner als der in Bremerhaven. „Wir sind aber vorsichtig optimistisch, dass es bei den bisherigen Plänen bleibt“, betont Müller.
Der Vorsitzende der IG Metall Bremerhaven, Karsten Behrenwald, sagt: „Die Strategie von Genting ist nicht zu durchschauen.“ Der Betriebsratsvorsitzende von Nordic Yards Warnemünde, Harald Ruschel, erklärt: „Wenn wir die Aufträge zumindest für die Rümpfe bekämen, wären wir froh. Wir brauchen Arbeit.“
Der Genting-Konzern um Vorstandschef Tan Sri Lim Kok Thay hatte Ende 2015 über seine Tochter „Star Cruises Singapore Investment“ die Lloyd Werft zu 100 Prozent übernommen.
Die Experten an der Ostsee und in Bremerhaven haben schon einmal ein großes Kreuzfahrtprojekt geschultert: So wurde im Jahr 2000 der Rumpf für die 258 Meter lange „Norwegian Sun“ bei der damaligen Aker MTW Werft in Wismar gebaut und dann im September 2000 über den Nord-Ostsee-Kanal zur Lloyd Werft zur Komplettierung überführt. lni/FBi/CE
