16,8 Prozent weniger Jahres-Umschlag

Die Wirtschaftskrise hat den Umschlag in den bremischen Häfen erheblich einbrechen lassen.

Die Talsohle ist allerdings durchschritten, sagte gestern der Senator für Wirtschaft und Häfen, Ralf Nagel (SPD). In den Häfen in Bremen und Bremerhaven sank den Pro-gnosen zufolge der Umschlag 2009 im Vergleich zum Vorjahr um 16,8 Prozent auf 62 Millionen Tonnen (2008: 74,5 Millionen Tonnen). In Bremerhaven fiel der Rückgang mit 15 Prozent auf 51 Millionen Tonnen geringer aus als in Bremen-Stadt mit 25 Prozent auf elf Millionen Tonnen.

Um die bremische Position im Wettbewerb weiter zu stärken, ist ein Krisenreaktionsprogramm mit fünf Punkten geplant: Nagel kündigte für das kommende Jahr eine Nullrunde bei den Hafengebühren an. Zudem würden die Flächenentgelte im kommenden Jahr eingefroren. Auch bei den Lotsgebühren für Hafenlotsen werde es keine Erhöhungen geben. Für die Seelotsen sei Bremen in intensiven Gesprächen mit dem Bund, um hier ebenfalls eine Nullrunde zu erreichen. Darüber hinaus werde der Spielraum für Gebührenermäßigungen konsequent ausgenutzt. Nagel: „Mit diesen Maßnahmen kommen wir den Unternehmen entgegen."

„Aber die Auswirkungen der weltweiten Krise werden Europas große Seehäfen und die Schifffahrt auch 2010 belasten", so Nagel. Er erinnerte daran, dass derzeit etwa 500 Containerschiffe ohne Beschäftigung aufliegen und die Reedereien mit massiven Verlusten konfrontiert sind. Als „kleinen Lichtblick" wertete der Senator die jüngste Pro-gno-se des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), die für 2010 national eine leichte Zunahme des Umschlags um drei Prozent auf 273 Millionen Tonnen vorhersagt.

In Europas viertgrößtem Containerhafen Bremerhaven fiel der Umschlag von Containern mit etwa 4,5 Millionen um 17 Prozent geringer aus. „Im Jahresverlauf ist der Trend wieder nach oben gegangen", sagte Nagel. Während der Februar mit 327.524 TEU der schlechteste Monat des Jahres gewesen ist, stieg das Ergebnis bis Oktober (420.293 TEU) deutlich an.

Der Umschlag der nicht in Containern gestauten Stückgüter und des Massenguts ging an beiden Standorten stärker zurück als der Containerumschlag. Bei der klassischen Stückgutladung (inklusive Automobile) wird für 2009 eine Umschlagsleistung von rund 6,6 Millionen Tonnen erwartet, etwa ein Drittel weniger als im Vorjahr.

Im Segment Massengut (7,8 Millionen Tonnen, minus 17,9 Prozent), das sich weitgehend auf den Standort Bremen-Stadt konzentriert, gab es 2009 erhebliche krisenbedingte Rückgänge beim Umschlag der Montangüter Eisen, Erze und Kohle. Hier wirkte sich belastend aus, dass ein Hochofen der Hütte in Bremen nach einer längeren Unterbrechung erst im Sommer 2009 wieder in Betrieb genommen wurde.

Das nach Angaben des Hafendienstleisters BLG Logistics größte Autoterminal der Welt in Bremerhaven ist von der Krise besonders stark betroffen. Dort ging der Umschlag um 40 Prozent auf rund 1,2 Millionen Wagen (2008: 2,03) zurück. Zum ersten Mal in zehn Jahren meldet die Unternehmensgruppe keine neuen Rekordgewinne. BLG-Chef Detthold Aden erwartet für 2009 ein Vorsteuerergebnis von 10 bis 15 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 84 Millionen Euro. Einsparungen und Expansion sollen das Unternehmen wieder auf Erfolgskurs bringen. „Wir müssen wachsen", sagte Aden. Der Konzern will in den Bau neuer Terminals in St. Petersburg und bei Moskau investieren und sich an einem Logistiker in der Ukraine beteiligen. Gleichzeitig sollen die Personalkosten sinken. Die Mitarbeiter müssten damit rechnen, für befristete Zeit in anderen Abteilungen eingesetzt zu werden und länger arbeiten zu müssen, erklärte Aden.

Bremen will die Krise auch dazu nutzen, den Ausbau der Hafen-Infrastrutur voranzubringen. Im kommenden Jahr könne voraussichtlich mit der Vertiefung der Außenweser um einen Meter begonnen werden, sagte Nagel. Außerdem werde die neue Kaiserschleuse fertiggestellt.

Der Senator forderte den Bund auf, seinen Verpflichtungen beim Ausbau der Anbindungen im Hinterland der deutschen Seehäfen konsequent nachzukommen. Ein Schwerpunkt sei dabei das Schienennetz im Norden: „Es ist gut, dass der Bundesverkehrsminister inzwischen die Planungsmittel für die Y-Trasse freigegeben und damit entstandene Irritationen beseitigt hat", so Nagel.

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