276 Millionen Euro Quartalsverlust

Die angeschlagene HSH Nordbank verzeichnet eine Entspannung auf den Schifffahrtsmärkten.

Erstmals seit Beginn der Restrukturierung des weltgrößten Schiffsfinanzierers waren die Zuführungen zur Risikovorsorge im Kreditgeschäft deutlich rückläufig. Sie lagen im ersten Quartal mit - 329 Millionen Euro (Vorjahr: - 424 Millionen Euro) um rund 22 Prozent unter dem ersten Quartal 2009 und rund 65 Prozent unter Vorquartal, teilte die Bank jetzt bei der Vorlage der Zahlen für die ersten drei Monate 2010 in Hamburg mit. Insgesamt veröffentlichte die Bank jedoch tiefrote Zahlen zum ersten Quartal.

Trotz eines positiven Steuereffekts belief sich der Verlust von Januar bis März unter dem Strich auf 276 (Vorjahreszeitraum: 231) Millionen Euro. Damit bleibt die HSH Nordbank als einzige Landesbank in der Verlustzone. Andere angeschlagene Institute wie die WestLB oder die BayernLB hatten im ersten Quartal einen Gewinn erzielt. Die Quartalszahlen der NordLB stehen noch aus.

Neben dem schwachen Euro belasteten auch die Kosten für die staatlichen Garantien das Ergebnis. Die HSH war als eines der ersten deutschen Institute unter den staatlichen Rettungsschirm des Bankenfonds SoFFin geschlüpft, zusätzlich hatten die Länder Schleswig-Holstein und Hamburg die Bank mit Kapital und Sicherheitsgarantien gestützt.

Die Kosten für staatliche Garantieleistungen drückten im ersten Quartal mit insgesamt 150 Millionen Euro das Ergebnis. Operativ sieht sich HSH-Chef Dirk Jens Nonnenmacher aber auf Kurs: Ziel sei es, 2010 vor Restrukturierungskosten den Verlust auf 700 Millionen Euro zu reduzieren, nach gut einer Milliarde Euro im Jahr zuvor. Im kommenden Jahr will Nonnenmacher wieder schwarze Zahlen schreiben und 2012 dividendenfähig sein.

Überschattet werden die Geschäftszahlen von einer Razzia. Polizei und Staatsanwaltschaft haben gestern und am Mittwoch Geschäftsräume der HSH Nordbank und Privatwohnungen von früheren und aktuellen Vorstandsmitgliedern durchsucht. Sechs Staatsanwälte und 60 Polizisten suchten unter anderem nach Kredit- und Vorstandsunterlagen, so ein Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft. Durchsucht wurden die Bankzentralen in Hamburg und Kiel sowie fünf Privatwohnungen in Hamburg und Schleswig-Holstein. Dem Vernehmen nach waren unter anderem Ex-Bankchef Hans Berger und die im Zusammenhang mit „Omega" gefeuerten Vorstände Peter Rieck und Jochen Friedrich betroffen. Die Behörde ermittelt seit Monaten gegen vier ehemalige und zwei aktuelle Top-Manager der Bank wegen des Verdachts der schweren Untreue sowie teilweise Bilanzfälschung. Dabei geht es unter anderem um ein Geschäft mit dem Codenamen „Omega 55" aus dem Jahr 2007, das auch vom amtierenden Vorstandschef Nonnenmacher abgezeichnet wurde. Gegen Nonnenmacher laufen ebenfalls Ermittlungen, seine Wohnung wurde jedoch nicht durchsucht. Die Durchsuchungen weisen darauf hin, dass sich bei der Staatsanwaltschaft der Verdacht auf strafbare Handlungen bei der krisengeschüttelten HSH Nordbank verfestigt hat. Der Sprecher der Behörde bezeichnete sie als „weiteren Ermittlungsschritt".

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