Aufwendige "Gorch Fock"-Reparaturen ausgeschrieben

Die unerwartet umfangreichen Reparaturarbeiten an dem Segelschulschiff "Gorch Fock" sind aus haushaltsrechtlichen Gründen ausgeschrieben worden. "Neun Werften in Deutschland kommen dafür infrage und können bis zum 4. Januar ein Angebot machen", sagte ein Marinesprecher am Dienstag in Kiel. Über die Größenordnung machte er keine Angaben. Seit dem 24. Oktober liegt der 1958 gebaute Dreimaster im Dock der Kieler Lindenau-Werft. Ursprünglich waren nur Wartungsarbeiten vorgesehen. Es habe sich dann jedoch herausgestellt, dass die "Gorch Fock" Rostschäden und "eine kleine leckende Stelle" am Rumpf habe. Das fast 90 Meter lange Schiff war erst im vergangenen Jahr in der Elsflether Werft an der Weser generalüberholt worden.

Wegen der Ausschreibung verzögert sich der Beginn dieser Reparaturen. Statt der ursprünglich nur auf ein bis zwei Wochen veranschlagten Wartung war der Zeitrahmen zunächst um vier Monate bis März verlängert worden. Ob dies auch mit der Ausschreibung noch zu schaffen sei, lasse sich noch nicht beantworten, sagte der Marinesprecher.

Die Korrosionsschäden sind nach Marineangaben darauf zurückzuführen, dass Stahlballast im Kiel durch Bleigewichte ohne die notwendige Isolierung ersetzt wurde. Dadurch sei die physikalisch-chemische Korrosion befördert worden. Im Innenbereich verwendete Farbe habe zudem nicht hinreichenden Rostschutz geboten. Wer für die unsachgemäße Reparatur verantwortlich ist, sei unklar.
"Die Marine hat sich nichts vorzuwerfen", sagte kürzlich der Chef des Marineamtes, Horst-Dieter Kolletschke. Die Marine wollte vom Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung klären lassen, ob möglicherweise Regressansprüche bestehen.

Im nächsten Jahr soll wieder ein neuer Offiziersanwärter-Jahrgang auf dem Schiff ausgebildet werden. Nach dem Tod einer Kadettin im November 2010 wurden Vorschläge für eine bessere und sicherere seemännische Ausbildung erarbeitet. Die Kadettin war bei der Segel-Vorausbildung aus der Takelage gestürzt. Das Fundament für einen Übungsmast an Land in der Marineschule Mürwik in Flensburg ist bereits gelegt, der Mast soll Mitte 2012 fertig sein. "Unsere größte Sorge ist zurzeit, das Schiff wieder seetüchtig zu bekommen", sagte Kolletschke. Zum 1. August 2012 wird Kapitän zur See Helge Risch neuer Kommandant der "Gorch Fock".

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