"Elektronische Nase" im Hafen

Ein Kratzen im Hals oder Kopfschmerz müssen nicht unbedingt Anzeichen einer beginnenden Grippe sein. «Früher wussten wir oft nicht, woher solche Symptome rührten», sagt Holger Riemann, verantwortlich für Arbeitssicherheit im Hauptzollamt des Hamburger Hafens. Dann ergab eine Studie 2006, das etwa jeder vierte ankommende Seecontainer mit Begasungsmitteln oder toxischen Stoffen bis hin zur Lebensgefährdung kontaminiert ist.

Zum Schutz seiner Mitarbeiter lässt Riemann nun «schnüffeln». An jeden Container, der geöffnet werden soll, setzt er seit einem Jahr zunächst die «elektronische Nase» aus Schwerin an. Bei Gefahr gibt diese Licht- oder akustische Warnsignale ab.

Dieser «Gas-Detector-Array» (GDA), der auch auf ein Forschungsprojekt für ein neuartiges Brandfrühwarnsystem zurückgeht, spürt selbst kleinste Dosen von nahezu allen bekannten Gasen sicher auf, noch bevor sie zu riechen sind, erklärt Ingenieur Wolf Münchmeyer von der Airsense Analytics GmbH Schwerin. Die 20-Mann-Firma erzielt mittlerweile über 80 Prozent ihres Umsatzes mit Sicherheitstechnik für Feuerwehren, Katastrophenschutz, Polizei und Zoll in Europa. Der neue GDA saugt mit einer Art «Rüssel» permanent Umgebungsluft ein und analysiert diese zuverlässig mit Hilfe von vier Sensoren - in dieser Kombination ein Novum in der Branche.Somit reagiert das System auf Tausende verschiedene Gase wie Benzol, Phosgen, Vinylchlorid oder Chlorbenzol. «In dieser Bandbreite der Substanzen ein Quantensprung in der Messtechnik», schätzt Airsense-Geschäftsführer Münchmeyer ein. Ein weiterer Clou sei auch die Geschwindigkeit der Messung: Ausgeklügelte Rechentechnik in dem nur viereinhalb Kilogramm schweren Handgerät ermögliche eine blitzschnelle Auswertung. In nur sechs bis zehn Sekunden wissen die Einsatzkräfte vor Ort, ob die Luft rein ist.Schnelle Ergebnisse, permanente Datenspeicherung und die sehr einfache Bedienung sind auch für den Hamburger Hafenzoll der Grund dafür zu prüfen, ob weitere Schweriner «Schnüffelnasen» angeheuert werden könnten, so Riemann. Nicht nur das falsche Begasen von Holzfracht mit weltweit rund hundert diversen Gemischen zum Schutz vor dem Einschleppen von Ungeziefer aus aller Herrgottsländer bedinge die Einführung neuer Messtechnik. Ein Problem sei auch das Entweichen giftiger Stoffe aus immer mehr Importwaren, sagt Arne Petrick, Zollpressesprecher der Bundesfinanzdirektion Nord.

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