„Enak“ hebt 500-Tonnen-Findling

Schwimmkran „Enak“ mit dem XXL-Greifer, der den Findling bei Wedel aus der Elbe holen soll, Foto: Lührs Schifffahrt

Kleiner Bruder: Der 217 Tonnen schwere „Alte Schwede“ in Oevelgönne, Foto: Arndt
Im Bereich der nördlichen Fahrrinne der Elbe vor Fährmannsand bei Wedel schlummert ein eiszeitlicher Gigant: Auf bis zu 500 Tonnen wird das Gewicht eines Findlings geschätzt, der dort im Schlick steckt. „Wir haben ihn im Herbst vergangenen Jahres im Zuge der Arbeiten zur Fahrrinnenanpassung entdeckt“, berichtete Bernd Grimm, der Koordinator für die Nassbaggerarbeiten beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Hamburg, dem THB. Am Mittwochvormittag soll der Brocken nun gehoben werden.
Die Lührs Schifffahrt GmbH rückt dazu mit ihrem 600 Tonnen hebenden Schwimmkran „Enak“ aus Hamburg an. „Wir werden nachts um 3 Uhr ablegen, wollen um 7 Uhr vor Ort einsatzbereit sein und hoffen, dann den Steinriesen aufnehmen zu können. Geplant ist, dass wir ihn gegen halb eins mit dem Hochwasser an den Wedeler Strand legen zu können“, sagte Robin Lührs dem THB.
Während der gesamten Maßnahme wird die Schifffahrt auf der Elbe den Bereich vor dem Fährmannsand südlich der Einsatzstelle problemlos passieren können, heißt es von Seiten des WSA.
Ob die Bergung wie erhofft klappen wird, ist unklar. Zur Erinnerung: 1999, während der letzten Elbvertiefung, war in Höhe Oevelgönne ein Findling im Schlick der Wasserstraße entdeckt worden. Während eines ersten Bergeversuchs war er damals aber aus dem Bergungsgeschirr zurück ins Wasser gerauscht. Auch, weil sein Gewicht zunächst nur auf etwas über 100 Tonnen taxiert wurde. Beim zweiten Versuch klappte es schließlich. Am 23. Oktober 1999 wurde der letztendlich mit 217 Tonnen gewogene Stein an den Oevelgönner Strand gesetzt. Seinen Namen „Alter Schwede“ erhielt er am 6. Juni 2000. Der jetzt gefundene Eiszeitriese könnte der große Bruder und ebenfalls etwa 400.000 Jahre alt sein.
Lührs: „Wir haben einen Greifer mit mehr als zehn Meter Öffnungsweite und hoffen, den Stein damit aus dem Boden ziehen zu können.“
Der an dem 1967 gebauten Schwimmkran montierte XXL-Greifer bringt selbst ein Gewicht von 100 Tonnen auf die Waage.
Der Druck für das Unternehmens Lührs ist groß, denn laut Grimme muss das WSA für die Maßnahme nur bei Erfolg zahlen. „No cure, no pay“, so das eiserne Gesetz der Berger.
Der steinerne Eiszeitgruß ragt im sogenannten „Baggerabschnitt 2“ gut 70 Zentimeter aus der bereits vertieften Fahrrinne. „Wenn er nicht gehoben werden kann, werden wir ihn abmeißeln“, führte WSA-Fachmann Grimm weiter aus. Er geht anhand einer Peilung von einem Durchmesser von mindestens 3,60 Metern aus – es ist aber unklar, wie viel Stein unsichtbar im Boden steckt. „Mit dem Einsatz des Hopperbaggers sind wir in dem Bereich jetzt so weit durch, wir müssen nur noch ein paar Einzelhindernisse entfernen“, so Grimm zum Stand der Arbeiten zur Fahrrinnenanpassung. An einer Stelle muss etwa noch Mergel am Grund der Elbe abgetragen werden.
„Enak“, den die Lührs Schifffahrt GmbH erst vor einigen Jahren von Bugsier übernommen hatte, kam zuletzt immer öfter in Hamburg zum Einsatz und hat sich als Glücksfall erwiesen. Erst am Sonnabend setzte der Schwimmkran die letzte von vier neuen Brücken in Waltershof ein, im Dezember 2019 war er am Einbau des Hubteils der Kattwykbrücke beteiligt. tja
