Erfolg im Holzschiffbau

Ein weit gereister Oldtimer legte im Jahr 2004 im ostfriesischen Fischerdorf Ditzum an der Ems an. Das erste deutsche Polarforschungsschiff, die 1867 in Norwegen gebaute «Grönland», kam zur Totalsanierung in die Bültjer-Werft. Das 20 Meter lange Museumsschiff aus Bremerhaven hatte eine seitenlange Mängelliste, die abzuarbeiten war. «Das war schon ein dicker Brocken für uns», erinnert sich Werft-Chef Jan Bültjer an den Großauftrag.

20 Mitarbeiter beschäftigt die Werft derzeit, die schräg gegenüber der Seehafenstadt Emden am Emsufer liegt. «Wir haben meistens um die acht Auszubildende. Die kommen oft aus der Umgebung, aber auch von weiter weg wie Osnabrück oder Berlin», sagt Jan Bültjer. Er und sein Bruder Gerjet sind als Werftchefs nicht im Anzug unterwegs: Wie alle anderen auf dem Werftgelände trägt Jan einen abgetragenen Blaumann und Arbeitsschuhe. So führt er auch Besucher und Touristen herum, die den Betrieb besichtigen.

Von der ersten bis zur jetzt fünften Generation in dem kleinen Familienbetrieb hat sich das wichtigste Baumaterial kaum verändert: Holz in verschiedenen Variationen. Aus eigenen Beständen abgelagertes Holz mit entsprechenden Qualitäten und Dimensionen liegt bereit. Von 1899 an wurden daraus Wagenräder, Fässer und kleine, offene Boote hergestellt. Dann stieg die Nachfrage nach Fischkuttern. Allein zwischen 1928 bis 1999 verließen 247 Neubauten die Werft, darunter viele Fischereifahrzeuge und Kutteryachten.

Mit dem Bau und Restaurierungen von Traditionsschiffen aus dem In- und Ausland hat sich die kleine Bültjer-Werft in der Szene einen hervorragenden Ruf gesichert. Sie gehört zu den letzten Holzschiffswerften, die das Know-how für den Bootsbau und besonders für den eigentlichen Schiffbau mit Holz haben. Gelegentlich fahren die Spezialisten auch mit Auto und Werkzeug an entfernte Häfen, um dort einen Fischkutter zu reparieren.

Wenn auch der letzte Fischkutter 1990 gebaut wurde, geht auf der Werft die Arbeit nicht aus. Yachtbauten, Reparaturen und Pflege gehören zum täglichen Brot. Mit einer Slipanlage und einer Halle können bis zu 150 Tonnen schwere und bis zu 30 Meter große Schiffe bearbeitet werden.

Spektakuläre Großaufträge wie die «Grönland» und die original getreue Restauration einer Yacht der englischen Königsfamilie aus dem Jahr 1898 fallen zwar nicht häufig an, sorgen aber stets für gute Auslastung. So auch jetzt die Totalsanierung des Emder Museumsloggers «AE 7/ Stadt Emden» aus der Zeit der Heringsfischerei. Wilhelm Grix vom Trägerverein weiß das 102 Jahre alte Holzschiff in besten Händen:

«Das sind gestandene und gediegene Handwerker, höchstqualifizierte Facharbeiter. Sie richten das Schiff wieder so her, wie es früher unter Segeln zum Fischfang auf die Ems gefahren ist.»

Auf große Werbung kann die Bültjer-Werft verzichten, auch der Internet-Auftritt ist eher bescheiden. «Wir haben uns in einer kleinen Nische gut eingerichtet und sind in der Szene bekannt», sagt Bültjer, «das läuft fast alles über Mundpropaganda».

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