Furcht vor Öl-Katastrophen in Nordsee
Die jüngsten Havarien am Great Barrier Reef und im Golf von Mexiko haben Ängste vor ähnlichen Unglücken auch in der Nordsee neu angefacht. Dies machte die 25. Insel- und Halligkonferenz deutlich, die am Mittwoch in Kiel tagte.
Elfeinhalb Jahre nach der Havarie des Holzfrachters «Pallas», der Ende Oktober 1998 vor Amrum auf Grund gelaufen war, berieten Vertreter der nordfriesischen Inseln und Halligen sowie Helgolands über Küsten- und Naturschutz, Schiffsverkehr, Windparks auf See und die bisher unerfüllte Forderung nach einer einheitlichen deutschen Küstenwache. Bei diesem Punkt erwarte er in der laufenden Wahlperiode deutliche Fortschritte, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete für Nordfriesland und Dithmarschen-Nord, Ingbert Liebing. Die Koalition verfolge das Ziel, eine einheitliche Küstenwache zu schaffen.
«Wir sind bei diesem Thema so weit wie nie zuvor», sagte Liebing. Zunächst gehe es darum, die Bundesbehörden mit schwimmenden Einheiten zusammenzubringen. Mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung, dem Zoll, der Bundespolizei und der Fischereiaufsicht sind vier Bundesministerien (Verkehr, Finanzen, Inneres, Landwirtschaft) mit eigenen Schiffen auf See unterwegs. Die «Pallas»-Havarie hatte Defizite in der Koordinierung zwischen den verschiedenen Behörden offenbart. «Wollte man heute bei Null anfangen und auf einem weißen Blatt Papier die Sicherheitsstruktur auf See neu entwerfen, käme niemand auf die Idee, es so zu organisieren, wie es heute der Fall ist», sagte Liebing.
In einem Schreiben an die Bundesministerien hat die Schutzgemeinschaft Deutsche Nordseeküste die Forderung bekräftigt, dass die Ressorts die maritimen Vollzugsaufgaben einer nationalen Küstenwache übertragen. Darüber hinaus sollten die Länder die ihnen übertragenen «schifffahrtpolizeilichen» Aufgaben auf den Seewasserstraßen an den Bund zurückzugeben, damit die Küstenwache sie übernehmen kann.
Die Insel- und Halligkonferenz forderte den Bund auch auf, die Fahrgastschifffahrt im Wattenmeer nicht mit überzogenen Auflagen zu belasten. Hintergrund ist die Absicht, Sicherheitsanforderungen an seegehende Schiffe auf die im - flachen - Wattenmeer fahrenden Schiffe zu übertragen. Diese dürften dann ab Windstärke 6 nicht mehr fahren, oder die großen Panoramafenster müssten zu kleinen Bullaugen umgebaut und mit sogenannten Seeschlagblenden gesichert werden.
Kritiker halten das für überflüssig, weil es im Wattenmeer keine hohen Wellen gebe. Sie befürchten, dass Dutzende Schiffe stillgelegt werden müssten, weil ein Umbau technisch und finanziell nicht machbar wäre. Zudem drohten Touristen auszubleiben. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, Enak Ferlemann, bekundete Gesprächsbereitschaft. Es müsse ein Kompromiss zwischen Sicherheit und Ökonomie gefunden werden.