Gericht befragt Geständigen

Nach dem umfassenden Geständnis eines Angeklagten im Hamburger Piraten-Prozess hat das Gericht den Somalier am Donnerstag befragt. Er habe zuvor in der Verhandlung aus Angst falsche Aussagen gemacht, erklärte der Mann vor dem Hamburger Landgericht. Am Mittwoch hatte der mutmaßliche Seeräuber ausgesagt, keiner der Mitangeklagten sei zu dem Überfall auf den Hamburger Frachter "Taipan" gezwungen worden. Die meisten der Angeklagten hatten das aber im Prozess behauptet.

"Es war geplant, dass ich den Leuten ein bisschen Angst einflöße", beschrieb der Somalier seine Rolle. Er sei als erster an Bord des Frachters gegangen und habe eine ungeladene Pistole bei sich getragen. Das sei eine Vorsichtsmaßnahme gewesen, damit die Waffe nicht ungesichert losging oder im Falle eines Misserfolgs gegen ihn verwendet würde. Wer das Schiff beschossen und später gesteuert habe, könne er nicht sagen, erklärte der geständige Angeklagte am Donnerstag.

Er selbst habe Schulden nicht abbezahlen können und deswegen arbeiten müssen, erklärte er am Donnerstag auf Nachfrage der Richter. Er habe sich abzüglich dessen 1500 US-Dollar aus dem Lösegeld erhofft. In seinem Geständnis hatte der Somalier erklärt, es seien Verträge gemacht worden, in denen klar geregelt war, wer welche Aufgabe hatte und wie das erhoffte Lösegeld aufgeteilt werden sollte.

In den Verträgen war laut Angeklagtem auch geregelt, dass der Besatzung des gekaperten Frachters nichts zustoßen dürfe. "Wenn einer von uns eine Geisel schlecht behandelt hätte, wäre sein Anteil reduziert worden und man hätte noch andere Strafen erwartet", erklärte der Somalier.  Außerdem sei es strengstens untersagt gewesen, der Besatzung Telefonate zu ermöglichen. Darauf habe eine hohe Strafe gestanden, es wäre sogar möglich gewesen, dafür exekutiert zu werden, sagte er.

Die zehn Angeklagten sollen das Hamburger Frachtschiff "Taipan" Ostern 2010 vor der Küste Somalias beschossen und gekapert haben. Ein niederländisches Marinekommando hatte die 15-köpfige Besatzung später befreit und die Piraten gefangengenommen. Der Prozess wird am 19. März fortgesetzt.

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