Großangelegte Seenotübung gestartet
Vor der Ostsee-Insel Greifswalder Oie hat gestern eine Seenot-Rettungsübung begonnen. Rettungshubschrauber, der Seenotkreuzer „Wilhelm Kaisen", Rettungsschwimmer und Notärzte trainieren dabei das Zusammenspiel bei der Bergung von Verunglückten aus der Ostsee.
Bereits zum zehnten Mal trainieren die Experten unterschiedlicher Rettungsdienste im Ostteil des Landes Mecklenburg-Vorpommerns. Erstmals sind in diesem Jahr auch Notärzte aus Wismar, Feuerwehrleute aus Rostock, Vertreter vom Katastrophenschutz sowie ein Hubschrauber der Landespolizei-Fliegerstaffel dabei. Das Greifswalder Modell, mit beschränkten örtlichen Ressourcen eine schnelle Wasserrettung zu organisieren, soll landesweit Schule machen.
Die Rettung auf dem Wasser ist zum Teil eine gesetzliche Grauzone. So regelt das Landes-Rettungsdienstgesetz zwar die Rettung an den Stränden, aber nicht im Wasser. Die Rettungsdienste von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), DRF, Katastrophenschutz, Polizei und Feuerwehr arbeiten auch aus diesem Grund derzeit an einer gemeinsamen Plattform für eine von Hubschraubern unterstützte Rettung aus dem Wasser.
Die DGzRS musste 2009 zu 519 Einsätzen vor der Küste Mecklenburg-Vorpommerns ausrücken. Dabei wurden 41 Menschen aus Seenot gerettet und 435 weitere aus Gefahrensituationen befreit. Rund 70 Prozent ihrer Einsätze leistet die für die gesamte deutsche Küste zuständige DGzRS inzwischen in der Ostsee. Der Grund: Die Verkehrsdichte sei deutlich höher als in der Nordsee. Zudem sei das Wetter unberechenbarer, wie Jörg Westphal von der DGzRS berichtet. Er verweist auf Zahlen des Deutschen Wetterdienstes, nach denen die Anzahl von Starkwinden in den zurückliegenden zehn Jahren um rund 80 Prozent zugenommen haben soll.