Großauftrag für Stralsunder Vokswerft
Die angeschlagene Stralsunder Volkswerft hat einen neuen Großauftrag an Land gezogen.
Die Reederei Scandlines unterzeichnete einen Vertrag über den Bau zweier Fähren, die ab 2012 auf der Ostsee-Route zwischen Rostock und dem dänischen Gedser eingesetzt werden sollen. Dies teilte Scandlines gestern am Firmensitz in Puttgarden (Kreis Ostholstein) mit. Die Volkswerft bestätigte den Auftragseingang. Zusammen mit geplanten Erneuerungen der Hafenanlagen belaufe sich die Investition auf 230 Millionen Euro.
Mit den beiden Schiffen will Scandlines die Fährkapazität trotz des beschlossenen Baues der Fehmarnbelt-Querung von 2013 an verdoppeln.
Die Schiffe werden 169 Meter lang, 24,80 Meter breit und 5,50 Meter tiefgehend sein. Die Transportkapazitäten sind für 1500 Passagiere sowie 460 PKW oder 90 LKW ausgelegt.
Aus der zur Bremer Hegemann-Gruppe gehörenden Volkswerft hieß es, der Auftrag für die zwei 169 Meter langen Fähren sei «einer der wichtigsten Meilensteine auf dem Weg der wirtschaftlichen Gesundung» des Unternehmens. Vize-Geschäftsführer Siegfried Crede erklärte, mit dem Abschluss seien «intensive Verhandlungen» erfolgreich beendet worden. Auch Betriebsrat Jürgen Kräplin zeigte sich zufrieden: «Dies trägt ohne Zweifel zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei.» Die Volkswerft war im vorigen Jahr nur knapp der Insolvenz entgangen.
Die IG Metall begrüßte den Großauftrag ebenfalls. «Das ist hervorragend und ein Beweis dafür, dass Unternehmen Verantwortung für den deutschen Schiffbau übernehmen», sagte der Bevollmächtigte der Gewerkschaftschaft in Vorpommern, Guido Fröschke. Er sprach sich zudem dafür aus, die zweite Phase des geplanten Stellenabbaus ab 2011 auszusetzen. Zum 1. April dieses Jahres scheiden 249 Mitarbeiter aus den Hegemann-Werften in Stralsund und Wolgast aus. Sie wechseln in eine Transfergesellschaft oder gehen mit Abfindungen nach Hause. Insgesamt war von einem Abbau von 500 Stellen die Rede.
Zum genauen Auftragswert und zum Baubeginn der Schiffe gab es vorerst keine Angaben. «Sie können aber davon ausgehen, dass es sehr bald losgeht», meinte ein Scandlines-Sprecher. Ursprünglich war schon für Ende Januar eine Einigung über den Fähren-Deal angekündigt. Jedes Schiff soll 90 Lastwagen und 1500 Passagiere befördern können und die zwischen Rostock und Gedser eingesetzten «Kronprins Frederik» und «Prins Joachim» ersetzen. Scandlines-Geschäftsführer John Steen Mikkelsen betonte, die Route ließe sich so noch vor dem Brückenbau von Fehmarn zur dänischen Insel Lolland ausbauen: «Wir glauben fest an die Stärkung der Verbindung zwischen Berlin und Kopenhagen.»
Die Fähren seien wegen ihres niedrigen Treibstoffverbrauchs und der geringen Emissionen besonders umweltfreundlich, hieß es. Um sicher manövrieren zu können, müssten für die Schiffe nun einige Kaianlagen und Rampen in den Häfen umgerüstet werden.
Scandlines war im Krisenjahr 2009 stark von den Einbrüchen im Ostsee-Verkehr betroffen. Nach den am Mittwoch vorgelegten Geschäftszahlen fuhren die Schiffe einen Verlust von fünf Millionen Euro ein, der Umsatz sank um über 13 Prozent auf 505 Millionen Euro. Für das laufende Jahr zeigte sich das Unternehmen aber optimistisch.