Hamburg erlässt Haftbefehl gegen Piraten
Das Hamburger Amtsgericht hat Haftbefehle gegen die somalische Piraten erlassen, die das deutsche Containerschiff „Taipan" an Ostern kurzfristig in ihrer Gewalt hatten.
Die Haftbefehle seien Voraussetzung für ein Auslieferungsersuchen an die niederländischen Behörden, bestätigte ein Sprecher der Hamburger Staatsanwaltschaft gestern. Nach der Befreiung des gekaperten Frachters der Hamburger Reederei Komrowski am Ostermontag durch die niederländische Fregatte „Tromp" wird es damit wahrscheinlich erstmals in Deutschland ein Gerichtsverfahren gegen somalische Seeräuber geben.
Möglicherweise kommen die Gefangenen noch in dieser Woche in die Niederlande, deutete der Sprecher den weiteren Fortgang der Ermittlung an. Wie lange es bis zur Auslieferung dauert, sei unklar. Der Prozess werde dann wahrscheinlich vor dem Hamburger Landgericht geführt.
Nach der Befreiung der „Taipan" hatten die Niederlande Ende letzter Woche von der Bundesrepublik gefordert, die somalischen Seeräuber strafrechtlich zu verfolgen. Ansonsten müsse die niederländische Marine die festgenommenen Somalier auf freien Fuß setzen, hieß es von Verteidigungsminister Eimert van Middelkoop. In früheren Fällen hatte die deutsche Regierung versucht, Prozesse gegen Piraten auf deutschem Boden zu vermeiden. Da die Seeräuber selten auf frischer Tat ertappt wurden, befürchtete man, dass die Beweislage für eine Verurteilung nicht ausreichen würde und die Somalier nach dem Prozess Asyl beantragen könnten.
Freilassung und eine neue Entführung
Der am vergangenen Mittwoch gekaperte türkische Bulker „Yasin C" ist von seinen somalischen Entführern überraschend freigelassen worden. Nach Angaben der EU/NavFor-Mission „Atalanta" verließen die Piraten am späten Freitagabend das 36 300-Tonnen-Schiff. Eine Lösegeldzahlung gab es nicht. Warum die Entführer den Bulker unverrichteter Dinge verließen, ist noch unklar. Es gibt aber Hinweise, dass die 25 türkischen Besatzungsmitglieder das Schiff manövrierunfähig machten, bevor sie sich im Maschinenraum einschlossen. Ohne die Möglichkeit, die „Yasin C" an die somalische Küste zu steuern, ließen die Seeräuber den Bulker dann womöglich wieder frei.
Das Schiff soll starke Schäden aufweisen, weil die Piraten aus Frustration über die missglückte Entführung Teile der Brücke und der Aufbauten mit Maschinengewehrfeuer zerstörten. Laut der Reederei Bergen Denizcilik ist die Crew wohlauf.
Unterdessen ist am Sonntag der 29 Jahre alte Mehrzweckfrachter „Rak Afrikana" rund 280 Seemeilen westlich der Seychellen entführt worden. Laut „Atalanta" hatte das 7500-Tonnen-Schiff zum Zeitpunkt der Piratenattacke wegen Maschinenproblemen stoppen müssen. Die Crew des unter der Flagge des Karibikstaates St. Vincent und die Grenadinen fahrenden Frachters soll aus 23 Chinesen bestehen.
Wie weiter bekannt wurde, hat die US-Marine sechs mutmaßliche Piraten festgenommen, nachdem diese vor dem Horn von Afrika das Docklandungsschiff „Ashland" beschossen hatten. mm