Hilfsgüter noch nicht angekommen
Mehr als eine Woche nach der Stürmung der internationalen «Solidaritätsflotte» haben die beschlagnahmten Hilfsgüter immer noch nicht die Bevölkerung im Gazastreifen erreicht.
Der israelische Militärsprecher Guy Inbar sagte gestern: «Die Palästinenser haben uns gesagt, dass sie nicht bereit sind, irgendwelche Güter anzunehmen.» Israel habe bereits mehr als 45 Lastwagen beladen. «Nichts davon ist nach Gaza gekommen.»
Acht Lastwagen mit Medikamenten, Nahrungsmitteln, Rollstühlen und Kinderspielzeug warteten bereits seit Dienstag vergangener Woche am Grenzübergang Kerem Schalom zwischen Israel und dem Gazastreifen, sagte Inbar. «Wir sind in Kontakt mit der internationalen Gemeinschaft und der Palästinensischen Autonomiebehörde, um die ganze Ausrüstung in den Gazastreifen zu bekommen.»
Die im Gazastreifen herrschende Hamas verweigerte bislang die Einfuhr der von Israel beschlagnahmten Hilfsgüter auf dem Landweg.
Hamas-Sprecher Fausi Barhum sagte gestern, Hamas weigere sich nicht, die Hilfsgüter anzunehmen. Die Schuld liege vielmehr bei Israel, weil es die Waren nicht an die internationalen Hilfsorganisationen zurückgeben wolle, die sie in verschiedenen Ländern gesammelt hätten. «Das Problem liegt bei der israelischen Besatzung, die ihre Bedingungen und Mechanismen aufzwingt, auch gegen den Willen der internationalen Organisationen.»
Der israelische Sprecher Inbar erklärte, bei einem großen Teil der beschlagnahmten Medikamente sei das Verfallsdatum schon lange abgelaufen, bei einigen bereits seit Februar 2009. «Ich denke, das Rote Kreuz wird entscheiden müssen, ob sie diese Medikamente in den Gazastreifen liefern wollen.»
Israel hatte die Gaza-«Solidaritätsflotte» mit mehr als 700 Passagieren am Montag vergangener Woche mit Gewalt daran gehindert, die Güter auf dem Seeweg in den Gazastreifen zu bringen. Die überwiegend türkischen Aktivisten wollten mit der Aktion die jahrelange Blockade des Gazastreifens durchbrechen und ein politisches Signal setzen. Bei dem blutigen Zwischenfall wurden neun der Aktivisten getötet und Dutzende verletzt. Das siebte Schiff, die «Rachel Corrie», wurde am Samstag ohne Blutvergießen aufgebracht.