Historisches Rendezvous in Bremerhaven

Heute weltweit für Segeltörns und Führungskräftetrainings auf See im Einsatz: die „Eye of the Wind“, Foto: Eckardt
Seit 108 Jahren ist der historische Zweimaster „Eye of the Wind“ auf den Ozeanen der Welt unterwegs. Beim bevorstehenden SeeStadtFest in Bremerhaven vom 23. bis zum 26. Mai in Bremerhaven trifft der Großsegler nun auf sein jüngeres Schwesterschiff „Anny von Hamburg“ – und beide Schiffe können im Rahmen eines Open Ships besichtigt werden.
Sowohl die „Eye of the Wind“ als auch die „Anny von Hamburg“ liefen einst bei der Lühring-Werft in Hammelwarden, nur wenige Flusskilometer weseraufwärts, vom Stapel. „Ob die beiden überhaupt jemals zuvor gleichzeitig im selben Hafen lagen, ist nicht dokumentiert“, sagt Frank Anders. Der 48-jährige Flensburger arbeitet als Schiffskoch auf der „Eye of the Wind“, fuhr zuvor jahrelang in gleicher Funktion auf der „Anny von Hamburg“. Seine Vorfreude auf das SeeStadtFest ist groß: „Für mich wird das ein ganz besonderer Moment sein, diese beiden Segel-Legenden nebeneinander zu sehen und die Besucher erleben gewissermaßen maritime Geschichte zum Anfassen!“
Beide Schwesterschiffe haben eine bewegte Geschichte hinter sich. Die „Eye of the Wind“ ist 1911 als „Friedrich“ entstanden. Englische Segelschiffs-Enthusiasten begannen in den 1970er-Jahren damit, den Rumpf komplett neu aufzuriggen. Das erregte Aufmerksamkeit in Hollywood – und die „Eye of the Wind“ diente als Kulisse in mehreren Filmproduktionen.
Derweil kam die „Anny von Hamburg“ 1914 als „Anny“ in Fahrt. Auf der ersten Reise nach St. Petersburg wurde der Dreimastgaffelschoner jedoch von den Ereignissen des Ersten Weltkriegs eingeholt und von Russland beschlagnahmt. In den 1920er-Jahren gelangte der Segler zurück nach Hamburg, 1957 folgte der Verkauf nach Schweden und später nach Finnland. Heute verkehrt die „Anny von Hamburg“ als Öko-Frachter des deutschen Unternehmens Timbercoast. CE/ger