Kein Hafenbau gegen Bürgerwillen
In Prerow wird nach Worten von Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Jürgen Seidel kein Hafen gegen den Willen der Einwohner gebaut.
Der CDU-Politiker reagierte am Montag bei einem Informationsbesuch am Nothafen Darßer Ort auf einen Brief, den ihm die Prerower Gemeindevertreter Ende vergangener Woche geschrieben hatten. Darin äußerten sie Bedenken gegen eine neue Marina. Zuvor hatte er im benachbarten Zingst mit Bürgermeister Andreas Kuhn (CDU) über die Möglichkeiten eines Neubaus dort gesprochen. Eine Voruntersuchung für ein Raumordnungsverfahren läuft schon. Bis zum ersten möglichen Spatenstich würden allerdings gut eineinhalb Jahre vergehen. Eine schnelle Lösung des Hafenproblems ist somit nicht in Sicht. Die Diskussion um das Für und Wider des Nothafens Darßer Ort wird weitergehen.
Seidel wollte sich bei dem Besuch ein persönliches Bild von der verfahrenen Hafen-Situation auf dem Darß machen. Der Nothafen ist nach der Ausbaggerung der versandeten Zufahrt seit März wieder Standort des Seenotrettungskreuzers „Theo Fischer". Im vergangenen Jahr hatte die Landesregierung in dem Glauben, dass die Prerower dem seit langem erwünschten Neubau zustimmen werden, einer letztmaligen Ausbaggerung der Einfahrt zugestimmt. Ein neues Gutachten brachte jedoch schwerwiegende wirtschaftliche Risiken eines neuen Hafens in Prerow zum Vorschein. Das 30-Millionen-Euro-Projekt sei nur wirtschaftlich zu betreiben, wenn es Platz für knapp 400 Segelboote bieten würde. Die aktuellen Pläne gehen aber nur von 250 Booten aus.
Der Landesminister warb für den Hafenbau und führte eigene Erfahrungen ins Feld. Der Hafen in Waren an der Müritz – Seidels Heimatstadt – sei für alle Einwohner zu einem beliebten Treffpunkt geworden. Jeder Warener sei stolz darauf, auch er selber, meinte Seidel. Aber so etwas lasse sich halt nicht vorschreiben, räumte er ein und betonte: „Gegen den Willen der Einwohner wird in Prerow kein Hafen gebaut."
Die Prerower befürchten für einen neuen Hafen in ihrem Ort ähnliche Probleme wie am Darßer Ort. Auch in Prerow werde ständig Sand angespült, der aufwendig weggebaggert werden müsste, argumentieren sie in dem Brief der Gemeinde an Seidel.