Kiellegung in Stralsund und Warnemünde
Eine Woche wie diese hat es in der schlingernden Schiffbau-Industrie Mecklenburg-Vorpommerns lange nicht mehr gegeben. Drei große Termine in Stralsund, Rostock und Wismar erwecken fast den Eindruck, als sei die Wirtschaftskrise vorbei. Die Volkswerft in Stralsund machte gestern mit der Kiellegung von zwei Großfähren für die Reederei Scandlines den Auftakt. Es folgte die Neptunwerft in Rostock mit dem Baubeginn für ein Flusskreuzer der
Rostocker A-Rosa Flussschiff GmbH. Am Donnerstag dann soll auf der
Nordic-Werft in Wismar der Bau eines eisbrechenden Tankers für den
russischen Bergbau-Konzern Norilsk Nickel starten. Es gibt einen unterzeichneten Vertrag, die Finanzierung aber ist noch nicht gesichert.
Im Schiffbau ist nach Worten des Bevollmächtigten der IG Metall Küste, Rüdiger Klein, aber noch kein Krisenende abzusehen. «Wir haben es weiter mit Riesenproblemen zu tun», sagte er. Er fügte aber hinzu, dass die Aufträge für die Volkswerft und für die Neptunwerft zur richtigen Zeit kommen. Die derzeitige Belebung der Exporte und das Ansteigen der Frachtraten seien kleine Hoffnungsschimmer. «Da kann man sagen, dass weit weg am Horizont ein Silberstreif zu sehen ist.»
Die beiden Scandlines-Fähren, die in Stralsund auf Kiel gelegt wurden, sollen ab 2012 zwischen Rostock und Gedser eingesetzt werden. Die je 169 Meter langen Neubauten mit einer Kapazität von bis zu 1500 Passagieren und 460 Auto- sowie 90 LKW-Stellplätzen sollen zwei 30 Jahre alte Fähren ersetzen. Werftenchef Dieter Brammertz bezeichnete den Auftrag als «sehr wichtigen Meilenstein». Die Werften, die sich im Zuge einer Sanierung Anfang Juni als P+S-Werften neu aufgestellt hatten, verfügen derzeit über 20 Aufträge.
Für Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) sind die beiden Scandlines-Fähren wichtige Aufträge in schwierigen Zeiten. Land und Bund hätten mit Bürgschaften geholfen, sie abzusichern: «Damit machen wir deutlich: Wir stehen heute und in Zukunft fest an der Seite unserer Werften.»
Sehr zufrieden zeigte sich Neptun-Chef Manfred Müller-Fahrenholz bei der Kiellegung des Schiffsneubaus «A-Rosa Brava». Im Herbst 2000 war der erste Vertrag mit A-Rosa unterschrieben worden, sie ist seither der neunte Flusskreuzer. «A-Rosa hat uns den Einstieg in dieses Marktsegment ermöglicht» sagte er. Andere Firmen wie jüngst die Viking Flusskreuzfahrten GmbH konnten auch davon überzeugt werden, «dass es kein Fehler ist, bei Neptun Schiffe zu bestellen».