Kutterprotest gegen Elbvertiefung
Die umstrittene Elbvertiefung ist in eine entscheidende Phase getreten. In Hamburg begannen am Donnerstag die Anhörungstermine für das Planfeststellungsverfahren. Nach Angaben der Wirtschaftsbehörde gibt es rund 7200 Einwände gegen das 380-Millionen-Euro-Vorhaben. Sowohl Gegner als auch Befürworter des Projekts nutzten den Anhörungsauftakt, um vor dem Hamburger Kongresszentrum CCH noch einmal ihre Standpunkte darzulegen. Vor dem Hamburger Nobelvorort Blankenese demonstrierten mehrere Fischer mit ihren Kuttern gegen die Elbvertiefung.
Hamburg will den Fluss für Schiffe mit einem Tiefgang von maximal
14,5 Meter passierbar machen. Die Anhörung in der Hansestadt ist der Beginn einer Reihe von Gesprächen, die in allen betroffenen Gemeinden entlang der Elbe vorgesehen sind. Niedersachsen lehnt aus Angst um die Sicherheit der Deiche eine Ausbaggerung der Elbe bislang ab.
Umweltschützer von BUND und NABU erschienen am Morgen mit Transparenten «Wir wollen unseren Fluss nicht dem Hafen opfern» oder «Freie und Baggerstadt Hamburg. Elbvertiefung = Naturzerstörung» vor dem CCH. Die Verbände, darunter auch der WWF und das «Regionale Bündnis gegen Elbvertiefung», kündigten an, das Vorhaben notfalls gerichtlich verhindern zu wollen. Eine neuerliche Elbvertiefung würde den Tidenhub des Flusses und die Strömungsgeschwindigkeit zwischen Cuxhaven und Hamburg nochmals erhöhen. Zuletzt wurde die Elbe 1999 vertieft.
Nach Ansicht der Umweltverbände sollte die Wirtschaftskrise zu einer Neubewertung genutzt und das Planfeststellungsverfahren so lange ausgesetzt werden. Sie kritisierten zudem das Verfahren an sich. Es sei nicht ergebnisoffen, weil Antragstellung, Planung, die Anhörung und die Genehmigung allein in der Hand der Hamburger Wirtschaftsbehörde lägen.
Die Befürworter der Elbvertiefung verwiesen dagegen auf den Nutzen des Projekts. In einer gemeinsamen Erklärung betonten rund 50 Betriebsräte von Hafen-Unternehmen wie der HHLA, Hapag Lloyd oder Eurogate: «Die Fahrrinnenanpassung der Elbe bietet die Chance, gleichzeitig die Bedingungen für Klima- und Naturschutz, Deichsicherheit und Schiffsverkehr nachhaltig zu verbessern.» Containerschiffe mit 8000 und mehr Containern mit Tiefgängen von 14 bis 15 Metern seien neuer Standard auf den Weltmeeren. Die Elbe müsse deshalb angepasst werden.