Neufinanzierung bei Hapag-Lloyd

Der Hapag-Lloyd-Aufsichtsrat hat den Weg für eine Neufinanzierung der Reederei freigemacht. Das Aufsichtsgremium des Unternehmens, an dem der Touristikkonzern TUI noch mit 43,3 Prozent beteiligt ist, hat der Neuordnung der Finanzierung zugestimmt, teilte TUI gestern mit.

Hapag-Lloyd will jetzt eine Anleihe platzieren und bei den Banken eine Kreditlinie suchen. Als Voraussetzung wird die gewährte Staatsbürgschaft über 1,2 Milliarden Euro zurückgegeben, hieß es. Über diese Schritte war bereits längere Zeit spekuliert worden.

Die nicht in Anspruch genommene Staatsbürgschaft wird nicht mehr benötigt, weil die Geschäfte nach der Wirtschafts- und Finanzkrise wieder besser laufen. Die Neuordnung der Finanzen gilt als Voraussetzung für den endgültigen TUI-Ausstieg bei Hapag-Lloyd.
Über die Höhe der geplanten Anleihe wurden keine Angaben gemacht. Im Gespräch ist eine Größenordnung von 500 Millionen Euro. Auch ein Börsengang in den nächsten sechs Monaten wird erwogen. Das wäre aber nur mit Zustimmung der übrigen Hapag-Lloyd-Eigner möglich.

Zur Zukunft der Beteiligung, die TUI-Chef Michael Frenzel möglichst bald verkaufen will, hieß es: „TUI wird unverändert eine bestmögliche Verwertung ihres Investments in Hapag-Lloyd anstreben und weiter alle Optionen für einen Ausstieg aus der Containerschifffahrt prüfen."

TUI hat zudem unverändert das Recht, die Beteiligung an Hapag-Lloyd dem Albert Ballin-Konsortium anzudienen, das bereits knapp 57 Prozent der Anteile hält und Vorkaufsrechte hat. Das Hamburger Konsortium hatte die Mehrheit an Hapag-Lloyd im Herbst 2008 von TUI erworben. TUI kann die komplette Beteiligung an Hapag-Lloyd jederzeit auch an Dritte veräußern.

Als Folge der Neuordnung der Finanzen bei Hapag-Lloyd erwartet TUI im Oktober eine Zahlung von rund 65 Millionen Euro auf gestundete Zinsansprüche. Darüber hinaus werde Hapag-Lloyd wieder in der Lage sein, Zinsen und Tilgungen auf gewährte Finanzhilfen zu leisten. TUI erwarte zudem die kurzfristige Rückzahlung eines Überbrückungskredits von 227 Millionen Euro.

Ein Darlehen von 350 Millionen Euro wird in Eigenkapital der Hapag-Lloyd gewandelt, um damit die Bilanz zu stärken und das Rating zu verbessern. Dadurch wird der Anteil der TUI an Hapag-Lloyd auf 49,8 Prozent steigen. Zugleich werden die Voraussetzungen für einen Verkauf verbessert.

Hapag-Lloyd war durch die weltweite Schifffahrtskrise im vergangenen Jahr in große Schwierigkeiten geraten und musste in einer gemeinsamen Aktion der Stadt, mehrerer Hamburger Unternehmen und des Spediteurs Klaus-Michael Kühne mit Milliardenaufwand gerettet werden.

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