P+S-Werften verhandeln mit Land über Bürgschafts-Aufstockung

Die P+S-Werften verhandeln mit dem Land über eine Erweiterung ihres Bürgschaftsrahmens zur Finanzierung von Schiffbauaufträgen. Entsprechende Gespräche würden geführt, sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums am Dienstag der dpa. Der vor zwei Jahren beschlossene Bürgschaftsrahmen für die P+S-Werften beläuft sich auf 326 Millionen Euro. Im Haushaltsentwurf für
2012/2013 sieht die Landesregierung eine Aufstockung der Finanzgarantien von 700 Millionen Euro auf eine Milliarde Euro für alle Werften vor. Zur Höhe der von den P+S-Werften gewünschten Aufstockung machte das Ministerium keine Angaben.

Noch in der vergangenen Woche hatten die P+S-Werften ihren Auftragsbestand mit einem Volumen von über eine Milliarde Euro angegeben. Wie zu erfahren war, wurde jedoch ein Baustopp über den Bau von fünf eisgängigen Frachtern für Grönland verhängt. Der Bau der Scandlines-Fähren hat sich in den vergangenen Monaten verzögert. Eine für Anfang März angekündigte Taufe des ersten der beiden 169 Meter langen Schwesterschiffe wurde auf Mai verschoben.

Die Werftengruppe war am Dienstag bisher nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Seit Mitte der 1990er Jahre unterstützt das Land den Schiffbau indirekt durch die Übernahme von Kreditbürgschaften. Damit werden Darlehen der Werften zur Vorfinanzierung oder der Reeder beim Kauf der Schiffe abgesichert. Seit der Finanzkrise 2008 hatten sich immer mehr Banken aus der Schiffbaufinanzierung zurückgezogen.

Unterdessen sorgen sich Mitarbeiter der Werftengruppe um die Zukunft des Schiffbaus an der Peene. Sie haben einen Brandbrief an Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) geschrieben, in dem sie vor dem Aus des Schiffbaus warnen, wie die "Ostsee-Zeitung" am Dienstag berichtete. In dem Brief beklagen sich die Schiffbauer, dass von elf Schiffbauaufträgen der Werftengruppe kein einziger in Wolgast abgearbeitet werde. Der Chef des Betriebsrats der Wolgaster Werft, Carsten Frick, distanzierte sich von dem Brief, der ohne Wissen der Arbeitnehmervertretung verfasst worden sei. Die Konzentration des Schiffbaus auf Stralsund sei seit der Verschmelzung beider Betriebe zur P+S-Werftengruppe bekannt, sagte Frick der Nachrichtenagentur dpa.

Danach ist in Stralsund das Kompetenzzentrum Stahl, in Wolgast der Ausrüstungsbereich für Schiffe mit bis zu 175 Meter Länge, der Marineschiffbau und künftig auch der Offshore-Bereich angesiedelt. Die früheren Hegemann-Werften gerieten 2009 in existenzielle Schwierigkeiten. Die Werften konnten mit Landeshilfe gerettet werden und starteten 2010 mit neuer Geschäftsführung und neuem Konzept unter dem Namen P+S-Werften. Frick räumte allerdings ein, dass bisher keine Offshore-Aufträge gezeichnet werden konnten. Die Werftengruppe selbst hat sich zu dem Brief noch nicht geäußert.

Nach Angaben des Betriebsrats sind auf der Wolgaster Werft rund 600 Mitarbeiter tätig, 100 weitere pendeln derzeit in den Schwesterbetrieb nach Stralsund. Derzeit arbeitet die 1948 gegründete Werft in Wolgast verschiedene Reparaturaufträge der Marine ab. Dazu gehören drei Versorgungsschiffe, ein Minenjachtboot und ein Schlepper. Zudem liege das dritte von vier Küstenwachschiffen für die schwedische Küstenwache am Ausrüstungskai, wie Frick sagte. Das vierte Schiff, dessen Rumpf derzeit in Stralsund hergestellt werde, soll Ende des Monats zur Ausrüstung nach Wolgast kommen.

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