Pauschalentschädigung nach Havarie
Zwei Wochen nach der Havarie der "Costa Concordia" gibt es in Italien Streit um eine Entschädigung für die Passagiere des Kreuzfahrtschiffes. Die Reederei Costa Crociere hat mit zwölf italienischen Verbraucherverbänden eine Pauschalentschädigung von 11.000 Euro pro Passagier ausgehandelt. Ob eine solche Entschädigungsvereinbarung auch für deutsche Reisende des Unglücksschiffes gelten könnte, war zunächst unklar. Gegen die pauschale Summe wendet sich die italienische Verbraucherorganisation Codacons. Sie forderte alle Passagiere auf, "diese Almosen nicht zu akzeptieren". Der einzige Weg, zu einer angemessenen Entschädigung zu kommen, sei die unter anderem von Codacons angestrebte Sammelklage in Italien und den USA.
Die 11.000 Euro Entschädigung für verlorene Wertgegenstände, Gepäck, seelische Beeinträchtigung infolge der Havarie und den für die Kreuzfahrt bezahlten Preis "liegt über den Entschädigungsgrenzen internationaler Vereinbarungen und der gültigen Gesetze", heißt es in der Mitteilung des italienischen Reiseindustrieverbands Astoi Confindustria am Freitag in Rom. Wer auf das Angebot eingehe, müsse sich verpflichten, nicht gegen Costa zu klagen. An Bord der gekenterten "Costa Concordia" waren etwa 4200 Menschen, darunter 560 Deutsche. Die Entschädigung soll den Angaben zufolge auch für Kinder bezahlt werden, die kostenlos dabei gewesen seien, so dass ein Ehepaar mit zwei Kindern 44.000 Euro erhalten würde. Der Reederei sei daran gelegen gewesen, das durch die Havarie entstandene Image nicht noch weiter zu verschlechtern, schrieb die römische Tageszeitung "La Repubblica" am Freitag. Die Havarie werde die Reederei alles in allem Hunderte Millionen Euro kosten.
Auch am Freitag suchten Taucher am Wrack der "Costa Concordia" nach Vermissten. Nach wie vor gelten etwa 20 Menschen als verschollen, darunter acht Deutsche. 16 Tote wurden bislang geborgen. Vier von ihnen kommen nach Angaben des Auswärtigen Amtes aus Deutschland.
Unterdessen wollten die Bergungsexperten des Unternehmens Smit letzte Vorbereitungen für das vom Wochenende an geplante Abpumpen der etwa 2300 Tonnen Treibstoff auf den Schiffstanks abschließen. Der für Samstag vorgesehene Beginn der Aktion verschiebe sich noch einmal um einige Stunden, sagte Krisenstabsleiter Franco Gabrielli am Freitag.