Piraten-Prozess: Geständiger Angeklagter soll gelogen haben

Erneute Wende im Hamburger Piraten-Prozess: Der geständige Angeklagte soll bei seiner Aussage vor dem Landgericht Ende Februar gelogen haben. Das warfen ihm mehrere Mitangeklagte am Montag vor. Er habe weder seinen richtigen Namen genannt, noch habe er die Wahrheit über seine Rolle bei dem Überfall auf den Hamburger Frachter "Taipan" gesagt, hieß es in einem Beweisantrag. "Aus meiner Sicht war er der Anführer", erklärte ein Mitangeklagter. Drahtzieher der Kaperung sollen dessen Vater und Bruder gewesen sein. Sie haben den Überfall demnach von London aus organisiert und besorgten die Waffen.

Der Somalier habe ihm gegenüber damit angegeben, dass sein Vater mit dem Spitznamen "Der, der Lügen verbreitet" schon viel Geld mit Piraterie verdient habe, erklärte der Mitangeklagte weiter. Der Geständige soll zudem schon vorher an zwei Überfällen auf Schiffe beteiligt gewesen sein: Vor rund vier Jahren setzte ihn angeblich die französische Marine fest, ließ ihn aber wieder frei. Auch in die Entführung eines griechischen Schiffes soll der 29-Jährige verwickelt gewesen sein.

Die Staatsanwaltschaft wirft den insgesamt zehn angeklagten Somaliern vor, den Hamburger Frachter "Taipan" am Ostermontag 2010 unter Waffengewalt gekapert zu haben. Seit fast anderthalb Jahren müssen sie sich wegen erpresserischen Menschenraubs und Gefährdung des Seeverkehrs in der Hansestadt verantworten.

Der mutmaßliche Pirat hatte Ende Februar überraschend ein Geständnis vor dem Landgericht abgelegt und darin von Hintermännern aus Somalia berichtet. Seine Mitangeklagten belastete er mit seiner Aussage teils schwer. Er selbst sei hingegen nur als Dolmetscher an Bord gewesen, erklärte der 29-Jährige.

Nach Recherchen der Verteidiger seiner Mitangeklagten war er jedoch für den Einsatz auf See trainiert worden und hatte als Soldat gearbeitet - bevor er auf die Seite der Piraten wechselte. Das könne von einem Somalia-Experten bestätigt werden, erklärten die Anwälte. Das Gericht will nun darüber entscheiden, ob der Zeuge gehört werden soll. Der Prozess wird an diesem Mittwoch fortgesetzt.

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