Piraten-Prozess nimmt kein Ende

Der bundesweit erste Piraten-Prozess zieht sich weiter in die Länge. Das Hamburger Landgericht hat neue Termine bis mindestens Ende Mai angesetzt, um gegen die zehn mutmaßlichen Seeräuber aus Somalia zu verhandeln. Der Prozess läuft bereits seit November 2010. Die Männer sollen den Hamburger Frachter "Taipan" am Ostermontag 2010 vor der Küste Somalias beschossen und gekapert haben.

Einer der Angeklagten hatte Ende Februar - nach 15 Monaten Prozessdauer - überraschend ein umfassendes Geständnis abgelegt. Gestern am 80. Verhandlungstag, befragte der Richter den mutmaßlichen Seeräuber erneut zu seiner Aussage.

In dem Geständnis hatte der Mann seine Mitangeklagten der Lüge bezichtigt. Alle hätten bei dem Überfall freiwillig mitgemacht, betonte er - sie seien nicht, wie von manchen vor Gericht behauptet, dazu gezwungen worden. Der Angeklagte - er wurde vermutlich 1983 geboren, das genaue Alter ist jedoch strittig - hatte den Überfall als gut organisierte Tat dargestellt. Alle hätten Verträge unterzeichnet, in denen festgelegt gewesen sei, wie das erhoffte Lösegeld aufgeteilt wird.

Bei der Befragung gestern erfuhr das Gericht nun unter anderem die Spitznamen aller Angeklagten, mit denen sie sich untereinander ansprechen. Außerdem ging es um Details beim Überfall auf die "Taipan". Bei manchen Fragen erklärte der Mann allerdings, das Gericht solle doch die einzelnen Angeklagten dazu hören ("Alles weitere können Sie den Anführer fragen."). "Ich möchte niemanden ungerechtfertigt belasten", sagte er. Über die Zeit vor dem Angriff und über seine Familie wollte der Angeklagte nicht sprechen.

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