Piraten zögern Auslieferung hinaus

Die nach einem Überfall auf das deutsche Containerschiff „Taipan" festgenommenen somalischen Piraten wehren sich gegen eine beschleunigte Auslieferung an die Bundesrepublik.

Die zehn Männer haben auf Anraten ihrer Pflichtverteidiger beim Amsterdamer Distriktgericht Widerspruch gegen die deutschen Auslieferungsanträge eingelegt. „Wir gehen nicht mehr von einer zeitnahen, unverzüglichen Überstellung aus", bestätigte gestern der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Hamburg, Wilhelm Möllers. Im Durchschnitt dauert ein Auslieferungsverfahren aus den Niederlanden über zwei Monate. Ein Termin für die Verhandlung werde in den nächsten Tagen festgelegt, kündigte Gerichtssprecherin Ruth Gorissen in Amsterdam an. „Wir haben für eine Entscheidung nach unseren gesetzlichen Regelungen maximal zwei Monate Zeit."

In Deutschland wird der Prozess vorraussichtlich vor der Kammer für Verkehrsstraftaten stattfinden. Falls die Beschuldigten allerdings noch sehr jung sein sollten, kommen sie vor eine Jugendkammer. Das Alter der Männer ist bisher unklar. Bei einer Verurteilung drohen den Seeräubern bis zu fünfzehn Jahre Haft. Die Somalier waren am Ostermontag bei einer Befreiungsaktion der niederländischen Marine auf der „Taipan" der Hamburger Reederei Komrowski überwältigt worden. Nachdem die Hamburger Staatsanwaltschaft Haftbefehle ausgestellt hatte, wurden die Beschuldigten am vergangenen Mittwoch von Dschibuti aus in die Niederlande geflogen. Von dort sollen sie an Deutschland ausgeliefert werden.

Die Haftbefehle lauten auf versuchten erpresserischen Menschenraub und Angriff auf den Seeverkehr, auf den allein mindestens fünf Jahre Freiheitsentzug stehen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Beweislage eindeutig ist, unter anderem weil bei den Somaliern Panzerfäuste, Schnellfeuergewehre und Pistolen sichergestellt wurden.

Der Verband Deutscher Reeder (VDR) hält den geplanten Piraten-Prozess in Hamburg für ein „wichtiges Zeichen". „Wir finden es grundsätzlich sehr gut, dass die Bundesrepublik so entschlossen ist", betonte Verbandssprecher Max Johns.

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