Rätsel um Bürgerkriegs-U-Boot gelöst
Das Rätsel um den Untergang des ersten U-Boots, das ein feindliches Schiff versenkt hat, scheint gelöst.
Die mit Muskelkraft angetriebene „H. L. Hunley“ aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg war 1864 kurz nach dem Angriff auf ein Schiff gesunken. Die acht Seeleute an Bord starben mit hoher Wahrscheinlichkeit durch die Druckwelle einer von ihnen ausgelösten Explosion. Das schreibt ein Team um die Forscherin Rachel Lance von der Duke University in South Carolina im Fachmagazin „Plos One“.
Die Waffe der „H. L. Hunley“ war dabei kein Torpedo im eigentlichen Sinn, sondern ein Fass mit Schießpulver, das an einem knapp fünf Meter langen Stab unter das feind liche Schiff gehalten und dort zur Explosion gebracht wurde. Bei ihrer ersten und letzten Mission versenkte das auf Seite der Konföderierten eingesetzte U-Boot zwar das Kriegsschiff „USS Housatonic“ der Unionsstaaten. Doch die Wucht der Detonation war für die U-Boot-Crew fatal. Das Forschungsteam habe errechnet, dass die Seeleute kaum eine Chance hatten. Die Wahrscheinlichkeit, dass bei einer solchen Wucht tödliche Lungenverletzungen entstehen, sei sehr hoch. Auch Hirnverletzungen seien aufgrund der Nähe zu der gewaltigen Explosion, bei der mehr als 60 Kilogramm Schwarzpulver detonierten, wahrscheinlich.
Die „H. L. Hunley“ war bereits vor ihrem ersten Kriegseinsatz zur tödlichen Falle geworden. Bei Testläufen während der Entwicklung sank es gleich zweimal. 13 Menschen ertranken – darunter auch Namensgeber Horace L. Hunley. Der Privatier hatte das U-Boot 1863 aus einem alten Schiffsdampfkessel gebaut.
Das zigarrenförmige, zwölf Meter lange U-Boot hatte aber keinen Motorantrieb. Damit es sich unter Wasser fort bewegte, mussten die Seeleute es mit eigener Kraft mittels Handkurbeln antreiben.
Als man die „H. L. Hunley“ schließlich im Jahr 2000 vor dem Hafen der Stadt Charleston im US-Bundesstaat South Carolina aus dem Atlantik barg, , waren die Skelette der Crew-Mitglieder immer noch an ihren Plätzen entlang der Antriebswelle. Sie hatten keine Knochenbrüche erlitten. Es gab auch keine Anzeichen dafür, dass die Crew versucht hätte, sich aus dem sinkenden U-Boot zu befreien. Seitdem rätselten Forscher, was sich vor mehr als 150 Jahren im Inneren der „H. L. Hunley“ abgespielt haben könnte.
Lance hatte ihre Untersuchungen an einem zwei Meter langen Nachbau durchgeführt. Mit Sensoren im Inneren des Modells maß sie die Folgen von unterschiedlich starken Druckwellen und Schwarzpulver-Explosionen. dpa/ger