Reederei Costa widerspricht Kapitän

Die Suche nach Vermissten auf dem Kreuzfahrtschiff „Costa Concordia“ ist am vierten Tag nach der Havarie vor der italienischen Küste fortgesetzt worden. 
Nach einer Pause über Nacht setzten die Rettungsmannschaften am Morgen auch Sprengstoff ein, um sich einen Weg durch Trümmer und andere Hindernisse zu bahnen, sagte ein Sprecher der Küstenwache auf der toskanischen Insel Giglio. 

Laut Küstenwache werden noch 25 Passagiere und vier Besatzungsmitglieder vermisst. Mindestens ein Deutscher sei bei der Havarie ums Leben gekommen. Das meldete gestern der Sender Rai. Taucher fanden indes im überfluteten Heckteil des Wracks fünf weitere Leichen. Damit erhöht sich die Zahl der gefundenen Toten auf elf.

Eine Bergung des verunglückten Schiffes wäre nach Expertenmeinung zwar aufwendig, aber machbar. „Wenn es eine Chance gibt, den Schaden am Rumpf abzudichten, kann man das Schiff eventuell auspumpen und wieder aufrichten“, schätzt der Bergungsexperte Eyk-Uwe Pap vom Rostocker Unternehmen Baltic Taucher. „Wenn das nicht möglich ist, wird es in mindestens 15 Teile zerschnitten“, sagte Pap.

Unterdessen widersprach die Reederei der Behauptung des Kapitäns Francesco Schettino, der vom Schiff gerammte Felsen tauche nicht in den Seekarten auf. Der Felsen sei auf den Karten eingezeichnet, sagte Costa-Geschäftsführer Heiko Jensen. Auch Staatsanwalt Francesco Verusio bestätigte dies. „Die Skrupellosigkeit beim Manöver hat uns betroffen gemacht“, fügte Verusio an. Schettino wird mehrfache fahrlässige Tötung und Verlassen des Schiffs während der Evakuierung vorgeworfen. Ihm drohen bis zu 15 Jahre Gefängnis.
Jensen übte weitere Kritik am Schiffsführer. Dessen Einschätzung bei der Havarie habe nicht den Costa-Standards für einem solchen Notfall entsprochen. Die Crew dagegen habe bei der Rettung der mehr als 4000 Passagiere sehr umsichtig gehandelt. Ein deutscher Passagier erhob jedoch schwere Vorwürfe gegen das Krisenmanagement an Bord. Als das Schiff auf den Felsen gelaufen war, seien die Passagiere nicht über das Unglück informiert worden.
Der Kapitän hat laut dem Costa-Geschäftsführer außerdem die Route des Schiffs eigenmächtig geändert. Gestern sollten die Verhöre durch die Staatsanwaltschaft beginnen. „Der Kapitän war zum Zeitpunkt des Unfalls auf der Brücke und hat das Schiff manuell gesteuert“, berichtete Jensen. Einzelheiten zum technischen Ablauf erhofft sich die Reederei von der Auswertung der Blackbox.

Die Versicherer der „Costa Concordia“ müssen möglicherweise einen Schaden von mehr als einer halben Milliarde Euro einkalkulieren. Die Summe von 500 Millionen Euro könne leicht überschritten werden, berichtete die „Financial Times Deutschland“ gestern unter Berufung auf Versicherungskreise. Die Kaskoversicherung des Schiffes, das 2006 für 450 Millionen Euro gebaut wurde, wird von einem Konsortium gestellt. Für Reparatur oder bei Totalschaden müssen die Versicherer für den Ersatz des Schiffes aufkommen.

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