Seehäfen rechnen wieder mit Zuwachs

Die deutschen Seehäfen blicken hoffnungsvoll auf das kommende Jahr.

„Nach derzeitiger Einschätzung und leichten Erholungstendenzen der Wirtschaft ist für 2010 mit einem Wachstum von drei Prozent auf 273 Millionen Tonnen zu rechnen", sagte Detthold Aden, Präsident des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), gestern bei der Vorlage des Jahresberichts 2008/2009 in Hamburg. Schon im zweiten Quartal dieses Jahres hätte der Umschlag im Vergleich zu den ersten drei Monaten wieder um 2,7 Prozent zugelegt. „Die Talsohle ist durchschritten, aber der Weg aus der Krise ist mühsam", so Aden.

In diesem Jahr geht der Umschlag der deutschen Seehäfen wegen der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise voraussichtlich um etwa 16 Prozent auf 265 Millionen Tonnen zurück. 2008 hatten die deutschen Seegüterumschlagplätze nach einem Jahrzehnt stetigen Wachstums mit einem Gesamtumschlag von 318 Millionen Tonnen nochmals ein Rekordergebnis erzielt. „Die Entwicklung ist abrupt unterbrochen worden. Schifffahrt und Häfen, die von der Globalisierung bislang am stärksten profitiert haben, leiden nun besonders unter dem Rückgang der Auslandsnachfrage und des Welthandels", betonte der ZDS-Chef. Das bedeute jedoch nicht, dass der Wachstumspfad nachhaltig beeinträchtigt werde. „Die deutschen Seehäfen bleiben weiter wichtige Drehscheiben im Welthandel", erklärte Aden. Darum halten ZDS, Bund und Küstenländer auch an der Seeverkehrsprognose 2025 fest.

Nach der Seeverkehrsprognose 2025 wird der deutsche Seegüterumschlag gegenüber 2004 um das Zweieinhalbfache auf rund 760 Millionen Tonnen wachsen. Dabei wird sich der Containerumschlag auf 45,3 Millionen TEU mehr als vervierfachen und sich der Fähr- und RoRo-Verkehr in den deutschen Ostseehäfen auf 71,7 Millionen Tonnen fast verdreifachen.

„Infolge der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise wird sich das Wachstum des Seegüterumschlags zwischenzeitlich zwar verlangsamen. Aber die Hafenwirtschaft hat trotz der gegenwärtigen Krise ein erhebliches Entwicklungs- und Wachstumspotenzial", bekräftigte Aden. Mittel- und langfristig werde der Umschlag in den deutschen Seehäfen weiter wachsen. Die fundamentalen Voraussetzungen für die weitere Zunahme des Seeverkehrs hätten sich nicht geändert. Die Globalisierung mit ihrer weltweiten Arbeitsteilung werde sich fortsetzen. Auch weiterhin werden gut 95 Prozent des interkontinentalen Handels über See befördert.

Die derzeitige Wachstumspause müsse daher planerisch und finanzpolitisch genutzt werden, die Seehafenanbindungen bedarfsgerecht auszubauen. Dabei bestehe unverändert erheblicher Nachholbedarf beim Ausbau der Verkehrsinfrastruktur im Hinterlandverkehr. Zugleich forderte Aden den Tarifvertragspartner ver.diauf, einen Krisenbewältigungstarifvertrag für Hafenarbeiter abzuschließen. „Deutsche Seehafenbetriebe haben umfangreiche Sparmaßnahmen eingeleitet, um ihre Kosten der Mengenentwicklung anzupassen. Angesichts des Personalüberhangs haben sie Kurzarbeit angemeldet. Jetzt sind weitere Maßnahmen erforderlich", so der ZDS-Präsident.

In den 16 bedeutendsten deutschen Seehäfen sind derzeit 11 738 Hafenarbeiter beschäftigt gegenüber 12 291 Ende 2008. Das entspricht einem Rückgang von 4,5 Prozent.

Angesichts der aktuellen Lage sei es ebenfalls von besonderer Bedeutung, die Anlaufkosten der deutschen Seehäfen wettbewerbsfähig zu gestalten. „Wir hoffen, dass der vom Hamburger Wirtschaftssenator Axel Gedaschko mit allen Beteiligten eingerichtete Runde Tisch rasch zu Lösungen führen wird", drängte Aden. Von der neuen Bundesregierung erwartet der ZDS, dass sie sich mit gezielten Maßnahmen für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Seehäfen einsetzen werde.

Die Krise müsse als Chance genutzt werden, die eigenen Stärken auszubauen und Infrastrukturdefizite bei den Seehafenanbindungen zu beseitigen. Dabei setzt der ZDS weiterhin auf die Unterstützung der Bundesregierung, den Seehafenstandort Deutschland zu stärken, und hofft auch auf die erneute Ernennung eines Maritimen Koordinators. Im Gespräch ist nach THB-Informationen Hans-Joachim Otto (FDP), neuer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium.

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