Sehenswert: Traditionsreiche Fischerteppiche werden ausgestellt

Mit einer Sonderausstellung erinnert die Hansestadt Greifswald an die „Perser von der Ostseeküste“. Gemeint sind Ostseefischer, denn die haben einst nicht nur Netze, sondern auch Teppiche geknüpft. Eine Auswahl der auch als „Vorpommersche Fischerteppiche“ bekannten Werk ist jetzt im Kulturzentrum St. Spiritus zu sehen. Die Teppiche stammen aus neun Jahrzehnten.

Der Anlass für die Teppichknüpferei vor 90 Jahren erinnert an die heutige Situation vieler Fischer: 1928 wurde in der südlichen Ostsee ein mehrjähriges Fischfangverbot verhängt, damit sich die Fischbestände erholen konnten. Der damalige Landrat ließ die Fischer als eine Art Arbeitsbeschaffungsmaßnahme schließlich Teppiche knüpfen, um ihnen ein Einkommen zu sichern. Der Wiener Teppichfachmann Rudolf Stundl (1897–1990) brachte den Männern das Knüpfen bei. Fische, Möwen, Stranddisteln, Koggen und Anker wurden zu typischen Ornamenten der Teppiche. Zentren der Knüpferei und später auch Weberei wurden Freest, Lubmin und Spandowerhagen. 1953 wurde aus der bis dahin als Nebenerwerb der Fischer laufenden Teppichherstellung eine Produktionsgenossenschaft des Handwerks gegründet, die bis 1992 bestand.

Nun werden neben Boden- und Sitzteppichen auch Webstühle und Wandteppiche ausgestellt, darunter sechs Stück, die 1936 für den Hamburger Ratssaal angefertigt wurden. Adresse: Lange Straße 49/51 Greifswald. Die Sonderausstellung „Een Teppich för’t Leben“ ist bis zum 20. März in Greifswald zu sehen. tja

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