Soldaten auf deutschen Schiffen?
Der Verband Deutscher Reeder (VDR) und die Bundeswehr sprechen über die Möglichkeit, Soldaten als Schutz gegen Piraten an Bord von Handelsschiffen mitzunehmen. Einen entsprechenden Bericht der „Rheinischen Post" (Samstag) bestätigte der Sprecher des VDR, Max Johns, in Hamburg. „Wir diskutieren das mit der Marine", sagte Johns. Bisher habe der Verband bewaffnete Begleiter auf Schiffen zur Abwehr somalischer Piraten abgelehnt. Nun hielten einige Reeder das aber für eine Möglichkeit, die Angriffe einzudämmen. Von der Marine gebe es positive Signale, so Johns.
Das US-Kriegsschiff „Mc Faul" hat unterdessen vor der Küste von Somalia das vor zwei Monaten entführte Frachtschiff „Iceberg I" mit rund 50 Piraten an Bord entdeckt. Die Besatzung des Marineschiffes habe den Frachter identifiziert, obwohl die Piraten den Schiffsnamen überpinselt und durch „Sea Express" ersetzt hätten, teilte ein Sprecher der Anti-Piraten-Task-Force im Hafen von Manama (Bahrain) mit.
Die Marinesoldaten bemerkten das Schiff den Angaben zufolge am vergangenen Mittwoch. Als sie einen Funkspruch an die „Iceberg I" richteten, antworteten die bedrängten Seeleute, ihr Schiff sei gekapert worden. Daraufhin verfolgte die US-Marine den Frachter 36 Stunden lang. Die Soldaten vermuten, dass die Piraten die „Iceberg I" als Mutterschiff für weitere Kaperungen benutzen wollten. Über das weitere Vorgehen zu einer möglichen Befreiung oder Lösegeldforderungen an den Schiffseigner Iceberg International wurde zunächst nichts bekannt.
Die Angeklagten im ersten europäischen Prozess gegen mutmaßliche somalische Seeräuber in Rotterdam bestreiten den Vorwurf der Piraterie. Die fünf Männer seien nichts weiter als einfache Fischer, deren defektes Boot in Seenot geraten sei, erklärte einer ihrer Anwälte am Dienstag vor dem Amtsgericht in Rotterdam. Hilfesuchend hätten sich die Somalier im Alter zwischen 25 und 45 Jahren Anfang Januar 2009 an den Frachter «Samanyolu» gewandt - und nicht in der Absicht, das Schiff zu überfallen.
«Wir hatten unsere Hände hoch erhoben, als wir uns dem Schiff näherten und plötzlich auf uns geschossen wurde», schilderte der 25-jährige Farah Ahmed Yusuf. Zugleich widerriefen die Angeklagten frühere Aussagen gegenüber dänischen Marineoffizieren, wonach sie vorgehabt hätten, das unter der Flagge der Niederländischen Antillen fahrende türkische Schiff «Samanyolu» zu kapern. «Wir wollten nichts weiter als Fischen», sagte Ahmed.
Die fünf Männer sind angeklagt, das Frachtschiff am 2. Januar 2009 mit einem Raketenwerfer und anderen Waffen angegriffen zu haben. Sie hätten das Schiff wegen der Gegenwehr der Besatzung zwar nicht entern können, die Absicht sei aber «völlig eindeutig» gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die Besatzung der «Samanyolu» habe das Schnellboot der Somalier, das ein für Piraten am Horn von Afrika typisches Angriffsboot gewesen sei, mit Leuchtmunition in Brand geschossen und dadurch versenkt.
Ein Marinehubschrauber Dänemarks hatte die Somalier anschließend aus dem Wasser gefischt. An Bord einer dänischen Fregatte sollen sie dann zugegeben haben, Seeräuber zu sein. Vier Wochen später überstellte Kopenhagen sie aufgrund eines Auslieferungsbegehrens an die niederländische Justiz. Den Männern im Alter zwischen 25 und 45 Jahre drohen Gefängnisstrafen von neun bis zu zwölf Jahren. Die Urteile sollen am 16. Juni verkündet werden.
Mit dem Prozess gegen mutmaßliche somalische Piraten wollten die Niederlande einen Beitrag für den internationalen Kampf gegen die Seeräuberei im Golf von Aden leisten, erklärte Justizminister Ernst Hirsch Ballin. Die Vorwürfe gegen die Männer seien allerdings kaum zu beweisen, erklärte der Verteidiger Jan Ausma. «Das ist nicht mehr zu überprüfen, denn das Boot, in dem die Männer saßen, liegt auf dem Meeresgrund.» Auch die dänische Hubschrauberbesatzung habe keine Waffen bei den Angeklagten gesehen.
Dass die Somalier nach Verbüßung einer eventuellen Strafe in ihre Heimat zurückkehren, gilt in den Niederlanden als unwahrscheinlich. Einer von ihnen habe bereits erklärt, er werde Asyl beantragen, berichtete der Sender NOS. Nach niederländischem Recht können die Männer auch im Falle einer Verurteilung nicht abgeschoben werden, da das völlig zerrüttete Bürgerkriegsland Somalia als zu gefährlich gilt.