Suche nach Vermissten unterbrochen
Die Suche nach Eingeschlossenen in dem havarierten Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" vor der toskanischen Insel Giglio ist zum Schutz der Helfer erneut unterbrochen worden. Das Wrack sinke weiter ab, dadurch seien die notwendigen Sicherheitsbedingungen nicht gegeben, sagte der Sprecher der Rettungseinheiten, Luca Cari, am Mittwoch. Unter den insgesamt noch 28 Vermissten aus sieben Ländern befinden sich nach einer jüngsten Bilanz der italienischen Behörden 13 Deutsche. Unterdessen sorgte der Kapitän der "Costa Concordia" mit einer neuen Begründung für sein vorzeitiges Verlassen des Unglücksschiffes für Aufsehen.
Laut italienischen Medienberichten machte Francesco Schettino (52) ein technisches Problem dafür verantwortlich, dass er die Evakuierung an Bord nicht koordiniert hat. "Ich wollte nicht abhauen, sondern habe Passagieren geholfen, ein Rettungsboot ins Wasser zu lassen", sagte er demnach vor einer Richterin. Als der Absenkmechanismus blockierte und plötzlich aber wieder ansprang, "bin ich gestrauchelt und lag plötzlich zusammen mit den Passagieren im Boot". Daraufhin habe er nicht mehr auf das Schiff zurückkehren können, weil sich dieses schon zu sehr in Schräglage befunden habe. Die Tageszeitungen "Corriere della Sera" und "La Repubblica" zweifeln diese Version der Ereignisse an, vor allem weil sich in dem Rettungsboot auch der Zweite Offizier Dimitri Christidis und der Dritte Offizier Silvia Coronica befunden hätten.
Die Rettungsmannschaften müssen befürchten, dass stärkerer Seegang nach einer angekündigten Wetterverschlechterung die Bergungsarbeiten weiter behindern könnte. Die gekenterte "Costa Concordia" könnte weiter in die Tiefe abrutschen und auch sinken, hatten Experten erklärt. Am Mittwoch sollten die Vorbereitungen für ein Abpumpen der knapp 2400 Tonnen Dieselöl in den Tanks des Kreuzfahrtschiffes fortgesetzt werden, berichtete die Nachrichtenagentur Ansa.
Der Kapitän der "Costa Concordia" hat nach Einschätzung der zuständigen Untersuchungsrichterin schwere Fehler gemacht. Francesco Schettino habe ein "unbesonnenes Manöver" durchgeführt, als er der Insel Giglio "viel zu nah kam", teilte das Gericht in Grosseto am Mittwoch mit. Außerdem habe der Kapitän nach der Kollision mit einem Felsen vor der toskanischen Insel den Schaden am Schiff "unterschätzt" und dadurch eine Alarmmeldung verzögert. Weil keine Fluchtgefahr bestehe, wurde der Kapitän unter Hausarrest gestellt. Er darf sein Haus nicht verlassen und nur mit Familienangehörigen Kontakt haben.
Als Schettino den Luxuskreuzer verlassen hatte, habe er "keinen ernsthaften Versuch" unternommen, "zumindest wieder in die Nähe" der "Costa Concordia" zu kommen, wo die Evakuierung noch voll im Gange war, erklärte das Gericht nach der ersten Vernehmung des Kapitäns. Dass er zuvor nach dem Aufprall mit einer improvisierten Wende versucht habe, den Hafen von Porto Giglio zu erreichen, "entbindet ihn nicht von seiner Verantwortung", teilte das Gericht in einer schriftlichen Stellungnahme mit
Schettino selbst hatte am Dienstag vor Gericht Fehler eingeräumt, als er die Insel für einen außerplanmäßigen Schwenker ansteuerte. "Es ist etwas schief gelaufen, denn ich habe zu spät gelenkt", zitierte ihn der "Corriere della Sera". "Ich bin auf Sicht gefahren, denn ich kannte den Meeresboden." Er sei die Route "schon drei- oder viermal abfahren, aber dieser Felsen hat mich überrascht", meinte Schettino.
Nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes "Costa Concordia" rechnen Versicherer mit Millionenschäden - die genaue Ermittlung der finanziellen Folgen des Unglücks wird sich aber noch hinziehen. Der weltgrößte Rückversicherer Munich RE erwartet Belastungen "im mittleren zweistelligen Millionenbereich". Die genaue Schadenssumme lasse sich derzeit aber noch nicht beziffern, teilte das Unternehmen am Mittwoch in München mit.
Mehr: Im "THB Täglicher Hafenbericht"