Ticker: Prozess gegen Niels Stolberg ab Januar
Kreditbetrug, Bilanzfälschung, Untreue, Täuschung - die Anklage im Fall Beluga hat es in sich. Jetzt läuft der Marathon-Prozess an. 56 Verhandlungstage sind eingeplant.
Nach jahrelangen Ermittlungen und drei Anklagen hat das Landgericht Bremen das Hauptverfahren gegen den Ex-Chef der Bremer Reederei Beluga, Niels Stolberg, und weitere drei Angeklagte eröffnet. Der Prozess soll am 20. Januar 2016 beginnen, teilte das Gericht am Donnerstag mit. Die Ermittler werfen dem Reeder, der als Vorzeigeunternehmer galt, mehrere besonders schwere Fälle von Betrug und Untreue vor. Der Schaden soll in zweistelliger Millionenhöhe liegen.
Stolberg soll unter anderem als Geschäftsführer und Mitgesellschafter zahlreicher Schiffsbetreibergesellschaften bei Verhandlungen mit Banken durch Scheinverträge falsche Angaben über die Höhe von Investitionskosten gemacht haben, um so höhere Kredite zu bekommen.
Insgesamt liegen drei Anklagen aus den Jahren 2012, 2013 und 2014 vor. Für den Prozess vor der Wirtschaftsstrafkammer wurden 56 Hauptverhandlungstage angesetzt.
Die durch die Schifffahrtskrise 2009 in Schwierigkeiten geratene Schwergut-Reederei Beluga hatte 2010 den US-Finanzinvestor Oaktree mit ins Boot geholt. Dieser hatte später gegen Stolberg wegen Bilanzfälschung und Betrugs Anzeige erstattet, und im Juni 2011 ging Beluga mit einer Reihe von Tochterunternehmen in die Insolvenz. Der US-Investor habe einen Vermögensverlust von mehreren Millionen Euro erlitten.
Der Staatsanwaltschaft zufolge soll Stolberg auch einem Hamburger Geschäftspartner und Mitgesellschafter an vier Schiffsneubauten die wahren Baukosten für die Frachter verheimlicht haben. In Absprache mit einer chinesischen Werft seien die Verträge rückdatiert und die Baupreise um 2,5 Millionen Euro pro Schiff überhöht angegeben worden.
Das Gericht wird sich zudem mit dem Vorwurf beschäftigen müssen, wonach Stolberg und ehemalige leitende Mitarbeiter in den Jahren 2006 bis 2010 bei Schiffsneubaufinanzierungen den Banken die Gesamtinvestitionskosten für 20 Schiffe um insgesamt 93,3 Millionen Euro überhöht dargestellt haben sollen. Im Jahresabschluss 2009 ging es der Anklage zufolge um fingierte Rechnungen in Höhe von rund 46 Millionen Euro. dpa/lni
