Total kämpft gegen drohende Umweltkatastrophe

Im Kampf gegen eine mögliche Explosion auf der Gasplattform "Elgin" in der Nordsee hat der Betreiber-Konzern Total ein wenig Zeit gewonnen. Die Meteorologen sagen für die nächsten Tage stabile Windbedingungen voraus. Somit ist das Risiko, dass sich die Gaswolke an einer hoch über der Plattform lodernden Gasflamme entzünden kann, nach Meinung von Experten überschaubar. Gegenwärtig treibt der Wind das Gas in östliche Richtung von der Plattform weg.

Total hat unterdessen seine Strategie im Umgang mit dem Gasleck verteidigt. Das Abfackeln von Gas sei Teil der Sicherheitsstrategie und habe sich absolut bewährt, sagte eine Total-Sprecherin am Donnerstag in Aberdeen. Das Brennen der Gasfackel über der Plattform gilt aber gleichzeitig als Sicherheitsrisiko, weil eine Berührung mit der Gaswolke zur Explosion führen könnte.

Unterdessen wurde das wirtschaftliche Ausmaß des Gaslecks für Total deutlicher. Das Unternehmen hatte nach dem Einbruch seines Aktienkurses zwischen sieben und neun Milliarden Euro Marktkapitalisierung verloren. "Das wirkt ein wenig hart", sagte der britische Analyst Jason Kenney von der Bank Santander der dpa. Die tatsächlichen Belastungen durch Produktionsausfälle und Reparaturkosten dürften sich nach seiner Einschätzung auf 300 bis 800 Millionen Euro belaufen.

Die Förderung an den von der Plattform aus koordinierten anderen Gasbohrungen sei abgestellt und die Ventile an Bord der Plattform seien geöffnet worden, hieß es bei Total. So könne das im System verbliebene, überschüssige Gas kontrolliert abgefackelt werden. Dies garantiere auch, dass selbst im Falle einer Explosion und einer totalen Zerstörung keine weiteren Lecks entstehen. Vorsichtshalber seien zwei Feuerwehrschiffe zum Löschen in Stellung gebracht worden. Neben einem Überwachungsschiff mit Unterseetechnik sind dies die einzigen Schiffe, die in die Zwei-Meilen-Sperrzone gelassen werden.

Die Flamme werde in den nächsten Tagen vermutlich von selbst ausgehen, sobald nicht mehr genügend Gas in den Rohren ist, um sie zu speisen, sagte die Sprecherin am Donnerstag. Alternativ werde nach Wegen gesucht, sie zu löschen, sollte sie länger brennen. So lang die Flamme aktiv ist, bestehe Explosionsgefahr. Dadurch werde die Untersuchung der Plattform und des möglichen Lecks noch erschwert.

Total geht davon aus, dass das Leck an einer Gasbohrung in 4000 Metern Tiefe entstanden ist, an der die Förderung vor einem Jahr eingestellt wurde. Es sei schwer zu sagen, wieviel Gas noch freigesetzt werde, sagte der für die Total-Operationen in Großbritannien zuständige Sicherheitschef David Hainsworth. Das austretende Gas sei nicht giftig. Auf seiner Internetseite gibt Total den Schwefelgehalt des im "Elgin"-Feld geförderten Gases mit weniger als 0,01 Prozent an.

Der Wissenschaftler Christoph Gertler von der Bangor Universität in Wales glaubt, dass die jetzt sprudelnde Gasblase unabsichtlich bereits vor mehr als einem Jahr angebohrt wurde. Jetzt sei möglicherweise die Zementfüllung gebrochen und das Gas ströme an Ventilen und Rohren vorbei seitlich aus. Das Leck könnte nach seiner Einschätzung zwischen Meeresgrund und der Blase in 4000 Metern Tiefe liegen.

Total hofft, dass die Quelle bald von alleine versiegt. "Das wäre der Königsweg", sagte eine Sprecherin. Sollte dies nicht eintreten, müsse entweder eine Monate dauernde Entlastungsbohrung unternommen oder das Bohrloch von oben mit schwerem Schlamm verstopft werden. Ein solcher "Kill" geht schneller, ist aber risikoreicher als eine Entlastungsbohrung. "Wir haben externe Experten hinzugezogen, die wir unter Vertrag haben", sagte die Total-Sprecherin. Eine Entscheidung soll in den nächsten Tagen fallen. Bis dahin würden alle Optionen parallel vorangetrieben.

Das Risiko einer Explosion hält Greenpeace ähnlich wie auch britische Fachleute gegenwärtig für überschaubar. Der Wind treibe die Gaswolke von der Flamme weg. Das Wetter sei günstig. Auch die verbliebenen Arbeiter auf einer etwa vier Seemeilen (rund sieben Kilometer) entfernten Plattform des Energie-konzerns Shell seien nicht in konkreter Gefahr. Der jüngste Wetterbericht von Donnerstag bestätigte diese Sichtweise.

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