TUI: Hapag-Anteile sollen ans Eignerkonsortium gehen

Der Reisekonzern TUI will seine Hapag-Lloyd-Restbeteiligung an das Eignerkonsortium der Reederei um die Stadt Hamburg und den Logistikunternehmer Klaus-Michael Kühne verkaufen. TUI werde bis zum 2. Januar 2012 von seinem Andienungsrecht für einen Anteil von 33,3 Prozent Gebrauch machen. Das habe der Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrats in Hannover beschlossen, teilte TUI mit.

Der größte europäische Tourismuskonzern zieht damit eine von vornherein vereinbarte Verkaufsoption für ein Drittel der Anteile. Der Reiseriese ist noch mit 38,4 Prozent an der Containerreederei beteiligt, will dieses Paket aber verkaufen und sich allein auf das Reisegeschäft konzentrieren. Die TUI-Aktie legte nach der Mitteilung um 3,48 Prozent auf 3,926 Euro zu.

"Unser Ausstieg aus der Containerschifffahrt ist vor mehr als drei Jahren mit allen Partnern im Hamburger Konsortium festgeschrieben worden", erklärte Konzernchef Michael Frenzel. Falls es auf dem Verhandlungsweg nicht zu einer Einigung mit dem Konsortium über den Wert der Beteiligung kommt, wird der Verkehrswert von einem Wirtschaftsprüfer als Schiedsgutachter ermittelt.

Die Stadt Hamburg erklärte dazu: "Wir nehmen das zur Kenntnis und beraten innerhalb des Konsortiums über das weitere Vorgehen." Es bestehe dabei kein aktueller Handlungsbedarf. Das Paket dürfte nach Berechnungen von Experten etwa zwischen 0,6 bis 1,0 Milliarden Euro kosten. Für die Stadt ist das ein großer Brocken. Sollte nicht bis spätestens Ende September 2012 ein Kaufvertrag zustande kommen, kann TUI die Mehrheit an Hapag-Lloyd an Investoren verkaufen. In diesem Fall könnte TUI sämtliche Anteile abgeben und das Hamburger Konsortium müsste die für die Mehrheit notwendigen Anteile ebenfalls an diesen Investor zum gleichen Preis verkaufen.

Konzernchef Michael Frenzel wies darauf hin, dass TUI die Kapitalbindung in der Schifffahrtssparte bereits um eine Milliarde Euro zurückgeführt habe. "Die Ausübung unseres Andienungsrechts ist jetzt der nächste konsequente Schritt", erklärte Frenzel.

Die TUI-Führung hatte Hapag durch den Zukauf des Konkurrenten CP Ships zur weltweiten Nummer fünf in der Branche ausgebaut, will die Reederei aber nun schon seit längerem loswerden. Nach dem Verkauf 2008 an das Konsortium "Albert Ballin" um Kühne, die Hansestadt sowie Banken und Versicherungen übernahm TUI zunächst mehr Anteile als geplant, um die Reederei zu retten, die mit der Wirtschaftskrise in schwere See geraten war. Zugleich wurde für den Konzern in Hannover aber die Ausstiegsoption vereinbart, die TUI jetzt zieht.

Bereits in diesem Frühjahr hatte Kühne einen Anteil von 11,3 Prozent für 315 Millionen Euro von TUI zurückgekauft. Der Plan, die Hapag-Aktien an der Börse zu platzieren, war zuvor nach der Erdbebenkatastrophe in Japan wegen des Niedergangs der Börsenwerte auf Eis gelegt worden. Auch Verhandlungen mit interessierten Investoren - angeblich unter anderem aus Oman und China - blieben offensichtlich erfolglos.

Erschwert werden dürfte der Verkauf durch die zuletzt wieder verschlechterten Aussichten im Containergeschäft. Die Reedereien leiden unter Preisverfall, einem Überangebot am Markt und hohen Treibstoffpreisen. Nach einem Rekordgewinn 2011 machte die frühere Ertragsperle Hapag-Lloyd von Januar bis September 2011 unterm Strich wieder Verluste.

Trotz der Nordafrika-Krise und Problemen in der Containerschifffahrt legte der TUI-Konzern eine positive Jahresbilanz vor. Unter dem Strich stand nach den zwölf Monaten bis Ende September ein Überschuss von rund 24 Millionen Euro nach 102 Millionen Euro ein Jahr zuvor, wie das im MDax notierte Unternehmen am Mittwoch in Hannover mitteilte. Analysten hatten hingegen einen Verlust erwartet. Dennoch sollen die Aktionäre wie in den Vorjahren auf eine Dividende verzichten.

Der Umsatz stieg dank höherer Urlauberzahlen überraschend stark um sieben Prozent auf 17,5 Milliarden Euro. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn legte um zwei Prozent auf 600 Millionen Euro zu. Für die verbliebene Beteiligung an der Containerreederei Hapag-Lloyd, die 2012 abgestoßen werden soll, musste TUI einen Verlust von zwei Millionen Euro hinnehmen. Ein Jahr zuvor hatte hier noch ein Gewinn von 150 Millionen Euro gestanden. Für das laufende Geschäftsjahr bis Ende September 2012 zeigte sich TUI-Chef Michael Frenzel vorsichtig optimistisch: Unterm Strich erwartet er wieder einen Gewinn.

Teilen
Drucken

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Kundenservice

Sie haben Fragen? Kontaktieren Sie uns gerne.

Nach oben